Fuck off Metaphysik :-)

11. Februar 2012

«Die grösste Ersparnis, die sich im Bereich des Denkens erzielen lässt, besteht darin, die Nicht-Verstehbarkeit der Welt hinzunehmen – und sich um den Menschen zu kümmern.»
Albert Camus

Der Aristoteles mit seiner Trennung von theoretischer und praktischer Philosophie war schon ein Fuchs.


Thomas von Aquin: De Ente et Essentia

9. Februar 2012

Zur Vorbereitung der Klausur hatte ich mal aufgeschrieben wie ich die ersten drei Kapitel verstanden habe: Den Rest des Beitrags lesen »


Aristoteles und die Salutogenese

6. September 2011

Da lief mir doch auf einem Seminar zur Dialogischen Haltung mit Johannes Schopp die Salutogenese über den Weg.

Also Salutogenese: Gesundheit nicht als Zustand der Abwesenheit von Krankheit. Medizin nicht als Bekämpfen von Krankheit, sondern als Fördern von Gesundheit. Nachschauen, was machen die Leute, die gesund sind. Weg vom Gegensatzpaar krank-gesund.

Und das ist doch wohl Aristoteles Ethikauffassung ziemlich verwandt. Bei ihm gab es noch nicht Gut & Böse als Handlungsoptionen. Bei ihm wollten noch alle das Gute und die, die Mist gebaut haben, konnten es nicht besser.

Das passt doch gut zusammen.


Philosophie und Physik 1

2. März 2011

Bei Aristoteles hat die Wirklichkeit mit dem unbewegten Beweger Prozesscharakter, die Welt in einem stationären Gleichgewicht. So wie ich Aristoteles verstanden habe, trennt er da auch nicht scharf zwischen materiellen und immateriellen Dingen. Auf jeden Fall passt das gut zu den aktuellen Modellen, wie die Materie aufgebaut ist: da gibt es auch keinerlei feste Kullern, die die Welt konstituieren: nur Quanten, die als Lösungen von lauter Schrödingergleichungen in ständiger Bewegung, Schwingung, gegenseitiger Wechselwirkung durch den Raum wabern, oder nein den Raum bestimmen. Die Quarks existieren nur gemeinsam, nie isoliert – ähnlich wie Stoff und Form.


    Aristoteles und Giacometti

    20. Februar 2011

    Weil wir uns beim Studium mit Aristoteles rumgeschlagen haben, las ich einen Artikel über Giacometti mit der metaphysischen Brille:

    1963, also drei Jahre vor dem Tod Giacomettis, fragt ihn ein Interviewer: »Da Sie so großen Wert darauf legen, den Menschen so zu reproduzieren, wie er ist, warum stellen Sie dann keine Abformungen her?« Er antwortet: »Das habe ich mal gemacht. Grauenhaft. Diese großen amorphen Oberflächen spiegeln vielleicht die physische Wahrheit des Menschen wider, aber erinnern an niemanden, an nichts, was wir sehen. Vielleicht ist das der Mensch, wie er ist, aber es ist jedenfalls nicht der Mensch, wie er mir erscheint, wenn ich ihn betrachte« …
    Nach seiner surrealistischen Phase war Giacometti dazu übergegangen, bzw. dahin zurückgekehrt, Menschen zu porträtieren. Er machte dabei eine niederschmetternde Erfahrung, die man antimikroskopisch nennen könnte: »Je mehr ich mich annähere, um so größer wird (das Gesicht) und um so mehr entfernt es sich.« Der menschliche Kopf, der zunächst eine Kugel war, zerfällt bei näherem Hinsehen in viele kaum miteinander zu vereinbarende Details, er wird zu einem »unbekannten Zeichen«. Der Künstler tritt zurück, um das Ganze im Blick zu behalten. Und dieses Zurücktreten hält er in der Skulptur oder auf dem Gemälde fest.
    Quelle: Je näher, desto ferner, Stefan Ripplinger in konkret 02/2011

    Das passt genau zu Aristoteles’ Unterscheidung von Substanz und Akzidenz – das Ringen des Künstlers um das Wesentliche, das Zugrundeliegende.


    Das systematische Elend des Protests

    9. Februar 2011

    In einem kleinen Büchlein von Georg Römpp über Aristoteles lobt der Autor die Bedeutung des alten Denkers mithilfe Hegels “bestimmter Negation”

    Wer in der Philosophie zu einem Zusammenhang von Gedanken >nein< sagt, der negiert einen bestimmten Gedankenzusammenhang und kommt deshalb zu einem >ja<, das noch durch den negierten Gedanken bestimmt ist. >Bestimmt< heißt hier also: hätte man einen anderen Gedanken negiert, so wäre auch ein anderer neuer Gedanke in dieser Kritik entstanden. Das Denken stößt sich immer nur von anderem Denken ab, auf das es eben dadurch bezogen bleibt.

    Antifaschismus, Antisexismus, Globalisierungskritik, Antiimperialismus. Unsere ganze ehrliche Empörung über das Elend in der Welt bleibt doch dem System verhaftet, das diese Widersprüche hervorbringt, solange wir dieses System nur kritisieren oder wie Hegel meint (?), bestimmt negieren.


    Propheteninvasion

    8. Dezember 2010
    Ich habe mich ja schonmal über das Thema aufgeregt. Und jetzt in der praktischen Philosophie geht das weiter. Einer nach dem andern begeistert sich für Euklidische Geometrie oder später die modernen Naturwissenschaften und kommt dann mit der ultimativen Ethikformel. Aristoteles lässt einfach so, geradezu axiomatisch, alle nach dem Guten streben. Die Stoiker bleiben cool und ertragen alles mit Gelassenheit. Hobbes droht mit dem Leviathan. Kant befreit sich mit seiner Aufklärung von selbstverschuldeter Unmündigkeit, um sich mit allerlei Pflichtgedöns seinem kategorischen Imperativ zu unterwerfen. Nächste Woche kommt dann noch Hegel…Wenigstens bläst mein Aristoteleslehrer Ulrich Seeberg in ein ähnliches Horn: 

    Die abendländische Philosophie weist nun darüber hinaus die Eigentümlichkeit auf, nach grundlegenden Begriffen oder Aussageweisen zu suchen – den Kategorien -, die über den bloßen Wechsel oder die potentiell unendliche Vielfalt von Situationen hinausgehen: ethische Grundsachverhalte und -begriffe wie auch erkenntnistheoretische.

    Keiner hat den Arsch in der Hose zu sagen: Sorry es kann ja sein, dass es gut tut Gutes zu tun, aber mir fällt echt kein toller universeller Grund ein, warum man es tun sollte. Die einzige Ausnahme, die mir bisher begegnet ist, ist Günther Anders.


    Aristoteles kennt keine Arbeit

    3. November 2010

    Der Herr wird mir richtig sympathisch. Otfried Höffe schreibt in seinem Buch “Aristoteles”:

    Zu vielen Themen einer Handlungstheorie verdanken wir Aristoteles maßgebliche Analysen. Es fehlt jedoch der Begriff für eine der elementarsten menschlichen Tätigkeiten, die Arbeit. Das Defizit ist umso erstaunlicher, als Aristoteles die zuständigen Untersuchungen zur oikonomia als relativ selbständige Teile der politischen Philosophie behandelt. Zwar finden wir bei ihm schon Bausteine für den Arbeitsbegriff, so etwa das Moment des Herstellens (poiesis) und das Moment des Sich-Abmühens (ponein). Diese Momente werden aber nicht zusammengebracht und um das Moment der Umgestaltung der Natur zum Zweck der Bedürfnisbefriedigung erweitert. Erklären läßt sich das Defizit, das generell auf die Antike zutrifft, mit einer aristokratischen Mußegesellschaft, in der nur die nichtökonomischen Tätigkeiten – Wissenschaft und Politik, Theater, Spiel, Sport und Kunst – zählen, während den typischen „Arbeitsberufen”, den Handwerkern und Tagelöhnern, sogar die Tugend abgesprochen wird.

    Kann schon sein, dass an dem Aristokratieelement was dran ist. Aber  “Arbeit” hat in vielen Sprachen keine sonderlich ehrenvolle Sprachwurzel. Und vielen afrikanischen Sprachen fehlt dieses abstrakte Konstrukt vollständig. Da gibt es Verben für Feuermachen oder Holzhacken. Aber dieses “Ich gehe jetzt die Natur umgestalten zum Zwecke meiner Bedürfnisbefriedigung” gibt es einfach nicht. Wozu auch? Und überhaupt scheint mir diese Definition von Arbeit ziemlich schräg.


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