Transtoleranz

17. März 2012

Im Didaktikseminar hatte ich den Eindruck, dass meine Kritik an einem klassischen Toleranzbegriff, der sich an Sturm und Voltaire berauscht, auf wenig Gegenliebe stieß. Ich war ein wenig unsicher. Ist Kritik der Identität nur so eine linke Macke? Sicherheit gibt mir eine Ankündigung einer Weiterbildung (Trans)Kulturelle Vielfalt in der pädagogischen Praxis vom Friedenskreis:

… Im Kern der pädagogischen Bemühungen geht es nicht mehr nur um die Begegnung und das Zusammenleben unterschiedlicher, in sich abgeschlossener Kulturen, sondern immer mehr auch um Mischformen und Verschmelzungen, die neue pädagogische Fragestellungen aufwerfen und Potentiale bergen. …

Das Eigene in Anderen und das Andere im Eigenen – Abbau von konstruierten Fremdzuschreibungen und somit Bewertung von Menschengruppen entlang ihrer Herkunftsverortungen, Geschlechtsidentitäten, Religiositäten, Professionen, Subkulturen etc.

Nachhaltige Lebenskonzepte auf Grundlage einer auf Anerkennung und Gerechtigkeit basierenden Gesellschaft im Gegensatz zu einer hegemonialen und ethnozentischen Sichtweise auf Menschen und Gesellschaft

Ach das gibt Mut. Es gibt noch mehr Leute, denen es nicht reicht, wenn der Türke neben dem Deutschen soweit toleriert wird, dass er nicht aufgeklatscht wird, weil einfach strukturierte Menschen das Gedöns von Sarrazin & Co in physische Gewalt umsetzen.


Textarbeit

13. September 2011

Hoffentlich geht es mir nie wie in der Gedichtbehandlung.


Paartherapie mit Irigaray

19. Juni 2011

Aus dem Ankündigungstext:

Die typische zweipolige Figur unserer Gesellschaft ist die des heterosexuellen Liebespaars. Trotz konsequenten Scheiterns hält die Mehrheit unbeirrt an diesem Phantasma fest – etwas, was sie mit dem konsequenten Scheitern dualistischen Denkens in der Philosophie gemeinsam hat. Die Paarbeziehung in ihren tragisch-komischen Verflechtungen wird zur Parabel über das Denken in dieser Gesprächs-Performance. Der gesellschaftlich-alltägliche Bezug und die ästhetisch-performative Form des gemeinsamen Philosophierens ist gleichermaßen ein Anliegen. Im Mittelpunkt steht dabei die Theorie der Philosophin Luce Irigaray.
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Sokratisches Gespräch

19. Juni 2011

Ein dreistündiger Einblick in die Methode des Sokratischen Gesprächs. Wir gingen exemplarisch der Frage nach “Wer bin ich?”

  • Für mich waren sofort Parallelen zu meinen Ausflügen in die Welt der Kommunikation unübersehbar, etwa zum Community Building nach Scott Peck
  • Faszinierend, wie die Leitung durch ständige empathische Wachsamkeit, kontrolliertem Dialog und ständiger, freundlich-bestimmter Konzentration auf das gerade Anliegende einen Prozess konstruktiver Zusammenarbeit anstoßen konnte, der schnell über die Probleme von unkonstruktiven Vielrednern und Hardlinern mit vorgefassten Meinungen hinausging.

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Tetralemma

16. Juni 2011

Die Geschichte von der paradoxen Logik gehört zum Tetralemma, einer Möglichkeit, Dilemmas zu bearbeiten. Rein logisch liest sich die Sache bescheuert und der Aufstellungsartikel ist auch nicht besser. Aber ich habe die Sache unter Anleitung mal ausprobiert und war fasziniert über den Klick im Hirn.
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Aha-Erlebnis

4. April 2011

Als atomkraftkritischer Gutmensch und Physiklehrer habe ich meine Berufsschulzöglinge mit 100 guten Gründen gegen Atomkraft beglückt. Ihre Begeisterung hielt sich in Grenzen. Toulmins Schema oder auch der praktische Syllogismus erklären, warum. Schließlich bin ich genau nach ihnen vorgegangen:

  1. Unbeherrschbare Risiken sind zu vermeiden.
  2. Kernkraft ist unbeherrschbar.
  3. Kernkraft ist zu vermeiden.

Und wenn ich “100 gute Gründe gegen Atomkraft” bringe und noch 20 Ekelbilder von verkrüppelten Tschernobylkindern, sie bedienen Punkt 2. Sachen, die für mich wichtig sind, weil ich behaupte, für mich sei Punkt 1 klar. In der Diskussion mit den Schülern wurde aber deutlich, dass gar kein Konsens über Punkt 1, den normativen Aspekt, besteht. Passt gut zu Höffes Wertewandel. Aber auch aus den Pflicht und Akzeptanzwerten leitet sich nicht gerade unmittelbar die Norm nachhaltigen Handelns ab.


Ethikunterricht ist nur eine Behelfslösung

19. März 2011

So behauptet es zumindest eine Kohlbergbiografie:

Wenn gefragt wird, was der Kern der Kohlbergschen Moralerziehung sei, bekommt man heute noch meist zu hören: Dilemma-Diskussion. Das ist verkürzt und deshalb falsch. Der Kern ist die Idee der Just Community: Moralische Entwicklung durch moralisches Handeln und Entscheiden; Demokratie lernen durch Praxis der Demokratie. An diesem Maßstab gemessen sind Unterrichtsgespräche über moralische Fragen nur eine Behelfslösung.


2 Wege zu Stufe 7

15. März 2011

Auf Stufe 6 der Moralentwicklung sitzt Immanuel Spock isoliert in seiner Kammer, lauscht seinem Verstand und nur seinem Verstand und findet heraus was richtig ist, … und macht es dann nicht.

Auf Stufe 7 von Habermas verschmilzt das Subjekt im Konsens symbiotisch mit den anderen. Aber immer noch kopflastig, rein argumentativ.

Meiner Meinung nach gibt es schon zwei Wege, die in diese unerreichbar scheinende Stufe führen.

Der erste ist uralt. Hier gehören die Mystiker aller Religionen hin. Egal ob nun Sufismus, Yoga, Meditation oder Kontemplation. Mit Techniken, die in starren Feudalsystemen entstanden, befreien sich die Gurus, Heiligen und Mönche aus den Klauen der rigiden Stufe-4-Ketten und sind in der Lage eine Menschlichkeit auf höherem Niveau zu leben. Und weil diese Mystiker immer auf eine unmittelbare Gotteserfahrung poch(t)en, sind/waren sie auch immer der Stufe-4-Kirche ein Dorn im Auge.

Der zweite ist ungefähr so alt wie Habermas’ Diskursethik. Es sind die neueren auf Empathie beruhenden Kommunikationstechniken:

Alles konkrete Handlungsanweisungen, durch die Hintertür zu idealen Sprechsituation zu gelangen.


Kohlberg und Rosenberg

13. März 2011

Marshall Rosenberg, der mit der Gewaltfreien Kommunikation, berichtet von seinem Psychologiestudium folgendes: Wenn er vor dem Studium mit einem anderen Autofahrer unzufrieden war, dann beschimpfte er ihn: “Du Idiot!” Nach dem Studium konnte er schimpfen: “Sie Psychopath!” Richtig weitergeholfen hat ihm das nicht.

Ob Kohlbergs oder andere Stufenmodelle der Moralentwicklung ähnlich analytisches Wissen darstellen, das nicht wirklich weiterhilft.


Große Verwirrung

25. Februar 2011
Wie nicht anders zu erwarten, allerlei Ungereimtheiten nach meiner ersten Didaktiksession Ethik:

  1. Der Ethiklehrplan ist streng nach Kant gegliedert. Jeweils einmal pro Klassenstufe wird durcherxerziert: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Und das obwohl es vor dem Lehrplan noch so eine Kopie über Kants Regeln zum Philosophieren gab: 1. Selbst denken. … Auf keines Lehrers Worte zu schwören verpflichtet sein.
    Und überhaupt meinte die Dozentin für Praktische Philosophie im letzten Semester: “Kants Ethik ist überholt.”
  2. Ethiklehrplan, Klasse 7/8 Sachsen-Anhalt, S. 34: “Tolerieren heißt dulden, was einem nicht gefällt.” Also wenn der Fascho aufhört alles aufzuklatschen, was ihm nicht passt, dann ist das Toleranz. Ich dachte immer Toleranz ist etwas mehr.
  3. Ethiklehrplan, Klasse 7/8 Sachsen-Anhalt, S. 32: “Ausgleichende Gerechtigkeit: Was ist eine gerechte Bestrafung? Elemente der Fallbeschreibung: Schuldfeststellung, Bewertung von Entschuldigungsgründen, Verzeihen und Strafen, Versöhnen” Kein Zweifel daran, dass jede Handlung irgendwie in ein Raster richtig oder falsch gepresst werden muss.

Dass die Lehrpläne unbedingt als geschützte PDFs im Netz stehen nur am Rande.


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