Wenn ich überblicke, was ich bis jetzt gelernt habe, dann ging es meist um die Frage: Was soll ich tun? Antwort: Das Gute. Und dann scheiden sich die Geister, was das Gute sein soll. Aber warum soll jemand das Gute tun? Der naturalistische Fehlschluss wird zwar kritisiert: Aus dem Sein folgt kein Sollen. Aber woraus denn dann? Und die Verfeinerungen von Moore und Frankena helfen da auch nicht weiter. Gibt es Denker, die darüber nachgedacht haben?
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Meine aktuellen Probleme mit Gott & Co
16. Mai 2012meine Fragen haben alle denselben Ursprung. Meine geistige Herkunft ist in der Terminologie von Herrn Aichele der materialistische Reduktionismus. Dort fühl(t?)e ich mich sicher, warm und wohl. Und jetzt diese Ausbildung, die behauptet, mein Heimatdorf sei auf Sand gebaut. Mein Herz, dass sich nach Heimat und Sicherheit sehnt, brubbelt und kollert. Mein Verstand hat viele offene Fragen. Den Rest des Beitrags lesen »
Universale Gerechtigkeit in Zeiten globaler Ungerechtigkeit
4. März 2012Wenn ich über das Gerechtigkeitsmaterial nachdenke, das wir bekommen haben, ist das alles schön und gut. Aber wie ist das mit den EU-Außengrenzen, den 1.500 Toten im Mittelmeer im Jahr 2011. Wie viel taugt der heilige Minimalkonsens, wenn er nur für Menschen gilt, die schon drin sind. Finden wir die alten Griechen deshalb so toll, weil die auch auf dem Frauen-Sklaven-Kinder-Auge blind waren. Bei Rawls war das auch schon so, der hat in seiner Gerechtigkeit als Fairness ebenfalls nur national gedacht. Für mich ist das EU-Grenzregime jetzt in der Freiheit genauso eine ethische Kapitulation wie die Mauer damals in der Diktatur.
Oder ist es statthaft zu sagen: Ja das ist ein ungelöstes Problem. Aber jetzt wieder zu den jungen Männern, die im Inland Ausländer aufklatschen.
Gibt es außerhalb linker Fundamentalkritik am Kapitalismus (die mir in dieser Sache sehr schlüssig erscheint) ernstzunehmende Denker, die etwas Brauchbares zum Thema universaler oder globaler Gerechtigkeit zu sagen haben?
Philosophieren als Kulturtechnik?
22. Februar 2012Ein klares ja, aber.
“Die abendländische Philosophie weist nun darüber hinaus die Eigentümlichkeit auf, nach grundlegenden Begriffen oder Aussageweisen zu suchen – den Kategorien -, die über den bloßen Wechsel oder die potentiell unendliche Vielfalt von Situationen hinausgehen: ethische Grundsachverhalte und -begriffe wie auch erkenntnistheoretische.” (U. Seeberg)
Oder eine zentrale These aus der Vorlesung über moralisches Urteilen: Handlungen sind gut oder böse (tertium non datur)
An diesen beiden Sätzen kondensieren meine Zweifel. Wie ist das mit der abendländischen Philosophie und ihrem Dualismus, ihrem wahr oder falsch, ihrer Ausrichtung an der klassischen Mechanik von Newton und Gallileo. Wie ist das mit der Quantenphysik, dem deterministischen Chaos, dem Tetralemma.
In einem kleinen Büchlein zur Gewaltfreien Kommunikation heißt es:
Die Haltung des „Sowohl-als-auch” zu entwickeln, fällt den meisten schwer, da nicht nur zu Hause und im Betrieb, sondern auch in vielen Medien der Fokus auf Gegensätzen, statt auf Gemeinsamkeiten liegt: Täter/Opfer, gut/böse, oben/ unten. Wir lernen, dass Macht ungleich verteilt ist und dass sie dazu verleitet, sie gegenüber anderen auszunutzen.
Wo führt uns die phänomenologisch-hermeneutisch-dialektisch-analytisch-spekulative Methodenschlange hin? Bringt sie uns dem Guten näher? Oder schafft sie es nur, wie in den Dialogen des Sokrates, die Risse in den Weltbildern der Anderen aufzuzeigen. Was nützt es uns, uns zu feiern, dass wir Nazis oder Homophoben nachweisen, dass ihre Weltbilder “falsch” sind.
Eine Ausweg weist Hannes Bode in einem Vortrag über das Verhältnis von Theorie und Praxis: Die Theorie ohne Empathie ist nichts und umgekehrt.
Hegelfrage
7. November 2011Wenn sich das Denken verflüssigt, verflüssigt sich dann auch das Handeln?
Zentrale Anfängerfrage
30. Juni 2011Da geht es also in der Ethik um die Frage: “Was soll ich tun?” Aber ist die Frage überhaupt sinnvoll. Soll/kann/will ich überhaupt irgendwas sollen? Gibt es soetwas wie “Sollen” überhaupt?
Aktuelle Fragen
14. April 2011- Logik: Welchen Charakter haben diese Grundannahmen? Diese Sätze von der Identität, dem ausgeschlossenen Widerspruch und vom ausgeschlossenen Dritten? Ziemlich schlau gewählte Axiome? Oder eher Erfahrungstasachen wie der Energieerhaltungssatz?
- Freiheit: Ist denn die Frage nach der Freiheit überhaupt sinnvoll? Da wird ja, wie es scheint hart darum gerungen, ob es Freiheit gibt oder nicht. Mir fallen so alte Diskussionen um den Charakter des Lichts ein, ob es wohl Wellen- oder Teilchencharakter habe – und beide Lager hatten Unrecht. Was, wenn es völlig falsch ist, die Beschreibung menschlichen Handelns an der Frage Freiheit festzumachen.
- Kant: Ich kann immer noch nichts mit dem a priori anfangen. Hat das überhaupt noch Bestand? Muss sich nicht alles erst entwickeln, was uns so durchs Hirn flutet, auch Vorstellungen von Raum und Zeit – wie aus der Entwicklungspsychologie von Kleinkindern bekannt. Oder was ist mit der Rechenschwäche, bei der die Abstraktion “Kardinalzahl” nicht funktioniert. Ist der Übergang zwischen a priori und a posteriori vielleicht fließend. Was bedeutet das für Kants Gedankengebäude?
Kant als religiöser Dogmatiker
13. März 2011Da gibt es diesen bekannten Spruch aus der Kritik der praktischen Vernunft:
Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt, oder im Überschwenglichen, außer meinem Gesichtskreise, suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewußtsein meiner Existenz.
Äußert sich hierin vielleicht die Unvollkommenheit des Aufklärers Kant, der es nur schafft den religösen Dogmatismus im hegelschen Sinne bestimmt zu negieren, indem er statt auf einen überirdischen Gott auf ein innersubjektives Gesetz in sich hört.
Dilemmata als Moralkritik?
13. März 2011Als Naturwissenschaftler, als Mathematiker erst recht, würde ich ja sagen: Wenn so ein Satz von Werten und Normen in seiner Anwendung an vielen Stellen zu Widersprüchen führt, dann sind entweder diese Werte und Normen als Axiome nicht widerspruchsfrei gewählt oder die ganze Verfahrensweise ist irgendwie faul.
Und ist nicht wirklich das Rumhacken auf Werten und Normen an sich, finsterste Kohlbergstufe 4, weit entfernt vom Olymp der Stufe 6 oder gar der Habermaschen Hyperstufe 7.
Oder versöhnlicher. Ist die hohe Bedeutung, die wir im allgemeinen Werten und Normen zusprechen, vielleicht ein Hinweis darauf, dass wir alle noch ziemlich auf Stufe 4 rumdümpeln. Erscheint es uns deshalb so unheimlich, etwa das Tötungsverbot nicht einfach nur als ungemein nützliche und praktikable Regel im Umgang miteinander zu nehmen.
Kohlberg und Rosenberg
13. März 2011Marshall Rosenberg, der mit der Gewaltfreien Kommunikation, berichtet von seinem Psychologiestudium folgendes: Wenn er vor dem Studium mit einem anderen Autofahrer unzufrieden war, dann beschimpfte er ihn: “Du Idiot!” Nach dem Studium konnte er schimpfen: “Sie Psychopath!” Richtig weitergeholfen hat ihm das nicht.
Ob Kohlbergs oder andere Stufenmodelle der Moralentwicklung ähnlich analytisches Wissen darstellen, das nicht wirklich weiterhilft.
Verfasst von Bernd Müller