Zwei Fragen sind noch offen:
1. Wie soll ich Hegels Phänomenologie lesen?
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Zwei Fragen sind noch offen:
1. Wie soll ich Hegels Phänomenologie lesen?
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2. Ist die Hegelsche Methode überhaupt verallgemeinerbar?
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Zur Vorbereitung der Klausur hatte ich mal aufgeschrieben wie ich die ersten drei Kapitel verstanden habe: Den Rest des Beitrags lesen »
so ein indischer Sokrates erzählt für meine Ohren ähnlich verflüssigte Sachen wie Hegel. Natürlich sind meine Ohren viel zu grob, so das ich die Unterschiede nicht genau benennen kann:
Individualität (Vyakti) ist für Nisargadatta eine Projektion des inneren Selbst (Vyakta), das wiederum aus dem Absoluten (Avyakta) entsteht. Das innere Selbst und das Absolute sind eins:
- Das äußere Selbst (Vyakti, Individualität) ist nur eine Projektion des inneren Selbst (Vyakta, wörtl.: das Entfaltete), das wiederum ein Ausdruck des Absoluten (Avyakta, wörtl.: das Unentfaltete) ist, das alles und nichts ist… Wenn die Vyakti ihre Nicht-Existenz in Separation vom Vyakta realisiert und der Vyakta die Vyakti als seinen eigenen Ausdruck sieht, dann kommen die Ruhe und der Frieden des absoluten, unentfalteten Zustandes zum Tragen. In Wirklichkeit sind die drei Eines: Vyakta und Avyakta sind untrennbar, während Vyakti die wahrnehmende, fühlende, denkende Aktivität ist, die aus dem Körper entsteht, der aus den fünf Elementen entsteht.
Man müsse den Zustand der reinen Beobachtung erreichen:
- Die Realität existiert, und ist ihrem Wesen nach beobachtendes Bewusstsein. Natürlich ist sie jenseits des Beobachters, aber um in sie hineinzugelangen, muss man zuerst den Zustand der reinen Beobachtung erreichen…Der Beobachter (Vyakta) ist die Reflexion der Realität (Avyakta) in ihrer vollkommenen Makellosigkeit … Die Geisteshaltung der inneren Beobachtung ist außerordentlich machtvoll.
Es sei nötig, sich zu beobachten, um die Trennung des Selbst vom Nicht-Selbst zu erkennen:
- Du musst dich permanent beobachten – vor allem deine Gedanken – in jedem Moment, ohne etwas auszulassen. Die Beobachtung ist wesentlich zur Trennung des Selbst vom nicht-Selbst … Sei dir jenes Zustandes bewusst, der einfach nur Sein ist, ohne dieses oder jenes zu sein.
So sieht es zumindest Hegel:
In dem Erklären ist eben darum so viele Selbstbefriedigung, weil das Bewußtsein dabei, [um] es so auszudrücken, in unmittelbarem Selbstgespräche mit sich, nur sich selbst genießt, dabei zwar etwas anderes zu treiben scheint, aber in der Tat sich nur mit sich selbst herumtreibt.
Und die Schulkritiker, Reformpädagogen und Schüler wissen es auch: Unterricht – wenn alles schläft und einer spricht. Und ich auch, ich habe eine ganze Menge erst durch mehrmaliges Erklären verstanden.
In immer neuen Schleifen dreht sich Hegel um nur im Zusammenhang Seiendes. Heute mal die Kraft:
Es ergibt sich hieraus, daß der Begriff der Kraft durch die Verdopplung in zwei Kräfte wirklich wird und wie er dies wird. Diese zwei Kräfte existieren als für sich seiende Wesen; aber ihre Existenz ist eine solche Bewegung gegeneinander, daß ihr Sein viel mehr ein reines Gesetztsein durch ein Anderes ist, d.h. daß ihr Sein vielmehr die reine Bedeutung des Verschwindens hat. Sie sind nicht als Extreme, die etwas Festes für sich behielten und nur eine äußere Eigenschaft gegeneinander in die Mitte und in ihre Berührung schickten; sondern was sie sind, sind sie nur in dieser Mitte und Berührung.
Mir scheint Frida Kahlos Bild, das sich um “alles”, um Welt vs. Mensch, Mann und Frau, um Leben und Tod dreht, gut zu passen.
The Love Embrace of the Universe, The earth (Mexico), Myself, Diego and Señor Xó
Auf 3sat gab es eine Reportage über Savants. Eine Theorie, wie diese Inselbegabungen entstehen, beschreibt Wikipedia so:
Eine weitere gängige Theorie besagt, dass bei Inselbegabten die Filtermechanismen des Gehirns gestört seien. Dadurch würden nur ausgewählte Informationen des Unbewussten und nur einzelne, für relevant gehaltene, Informationen des Gedächtnisses dem bewussten Bereich des Gehirns zugeführt, um dessen Überforderung zu verhindern und den Menschen im Alltag schneller und intuitiver entscheiden zu lassen. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch ausnahmslos alle Sinneseindrücke in seinem Gedächtnis speichert, aber nur Zugriff auf die Wichtigen hat, während ein Savant in einem Teilbereich auf jede Information zugreifen kann, unabhängig von ihrer Relevanz oder emotionalen Bedeutung.
Oder wie es sinngemäß im Film formuliert war: Bei uns “Normalen” wird die Wahrnehmung sofort gefiltert von Erfahrung, Sprache, Erwartungen, Vorurteilen. Der Savant jedoch nimmt in seinem Spezialbereich ungefiltert wahr, kann Musikstücke nach einmaligem Hören nachspielen oder ein Panorama von Rom nach einem Hubschrauberflug zeichnen.
Na da fiel mir doch gleich Hegels zweite Stufe des Bewusstseins, die Wahrnehmung, ein.
Ich hatte ja schon mal so einen Schnippsel gefunden, der sich gut mit sitzkissenerfahrenen Ichauflösern verträgt. Hier ist noch so ein Teil:
Diese Bestimmtheit, welche den wesentlichen Charakter des Dings ausmacht, und es von allen andern unterscheidet, ist nun so bestimmt, daß das Ding dadurch im Gegensatze mit andern ist, aber sich darin für sich erhalten soll. Ding aber, oder für sich seiendes Eins ist es nur, insofern es nicht in dieser Beziehung auf andere steht; denn in dieser Beziehung ist vielmehr der Zusammenhang mit anderem gesetzt; und Zusammenhang mit anderem ist das Aufhören des Für-sich-seins. Durch den absoluten Charakter gerade und seine Entgegensetzung verhält es sich zu andern, und ist wesentlich nur dies Verhalten; das Verhältnis aber ist die Negation seiner Selbstständigkeit, und das Ding geht vielmehr durch seine wesentliche Eigenschaft zugrunde.
Und so ein Mensch, ein Individuum ist ja wohl ein Einzelding. Wenn ich den obigen Absatz mit Individuum statt mit Ding lese, dann kommt da eine herrliche Kritik am Feiern des autonomen Einzelmenschen raus. Der Mensch kann gar nicht anders als sich im Verhältnis zu anderen zu verhalten.
Mit der Entdeckung der Spiegelneuronen bekommt die abendländische Vorstellung vom autonomen Subjekt Feuer – aus der ungeahnten Ecke der nüchternen Naturwissenschaften.