Kant soll ein Mensch mit Asperger-Syndrom gewesen sein. Ein Mensch, der sozial und emotional in einer anderen Welt lebt, als der neurotypische “Normalo.” Kein Problem bei Einstein und seiner Relativitätstheorie, bei Kafka oder Kandinsky. Aber was bedeutet es, wenn wir die Ethik von Asperger-Kant hochhalten. Ist es ein Glücksfall, wenn sich ein nicht betriebsblinder Nerd mal der Sache des menschlichen Handelns angenommen hat? Oder ist Kants Ethik einfach unbrauchbar, weil er möglicherweise ähnlich tickte wie Temple Grandin: „Meine Emotionen sind einfacher als die der meisten anderen Menschen. Ich weiß nicht, was eine vielschichtige Emotion in einer zwischenmenschlichen Beziehung ist. Ich verstehe nur einfache Emotionen wie Wut, Furcht, Glück und Traurigkeit.“
Buddhistische Version des KI?
4. Juli 2011„Handle immer so, als würde die Erlösung des Universums von deiner Handlung abhängen. Und lache dabei immer über dich selbst, dass du glaubst, du könntest überhaupt etwas mit deinem Tun erreichen.“
Hört sich irgendwie versöhnlicher an, obwohl es auf sowas ähnliches wie Kants moralinsaures Pflichtgedöns hinausläuft. Ich stolperte über den Spruch, suchte dann im Internet und stieß auf die Verbindung zum Flow.
Kant vs. Einstein
28. Juni 2011Bei Kant fallen die Zeit der klassischen Mechanik und die reine Anschauungsform Zeit zusammen.
Mit der Relativitätstheorie stimmen “Physikerzeit” und “A-priori-Zeit” nicht mehr überein:
Für uns Physiker hat die Unterscheidung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur die Bedeutung einer hartnäckigen Illusion.
Verwirrung
27. Juni 2011Na gut, da weiß ich also nun, dass die Deontologen intrinsische Werte feiern und Kant von einem Menschen als Bewohner zweier Welten ausgeht. Die Utilitaristen optimieren die Nützlichkeit und gehen von einem auf nach Glück hechelndem Menschenbild aus.
Beide Modelle liefern am laufenden Band bescheuerte Ergebnisse und gehen von einem nicht verifizierten Menschenbild aus. Wieso soll ich da ein ethisches Problem durch die Mühlen dieser zwei Modelle leiern, um zu entscheiden, was zu tun ist?
Dr House
15. Juni 2011In Folge 138 ff. (Arena der Genies) arbeitet eine begabte Stundentin als Nr. 13 im Team von Dr. House. Sie liefert sich mit House ein klassisches Duell Deontologie vs. Utilitarismus. Sie weigert sich zu lügen oder einzubrechen, während House nach reinen Nützlichkeitserwägungen vorgeht. Und natürlich geraten beide mit ihrer reinen Lehre in Schwierigkeiten.
Riecht Kant in Raum und Zeit?
12. Juni 2011Ich bin immer noch nicht ganz einverstanden mit Kant seinem apriori, wie er die Arithmetik auf die reine Anschauunge der Zeit, die reine Naturwissenschaft auf die reine Anschauung des Raumes gründet – und darauf ja sein ganzes Gedankengebäude. Nun gibt es da ein schickes Seminar zum Thema Riechen, das genau in diese Richtung geht:
Horkheimer und Adorno verfassen mit der „Dialektik der Aufklärung“ eine kritische Geschichte menschlicher Zivilisation. Während Aufklärung Glück für alle bringen sollte, strahlt die Erde mit dem Sieg der Aufklärung im „triumphalen Unheil“. Alles was an Natur und Tier im Menschen gemahnt war der Aufklärung verdächtig. Die kalte Sonne der Vernunft sollte über der Menschheit strahlen. Das Sinnliche wurde unterworfen und reglementiert – insbesondere das Sehen der Vernunft unterworfen. Wie verhält sich dazu nun das Riechen? Spricht Kant in der „Kritik der reinen Vernunft“ von der Schematisierung und Kategorisierung des Sinnlichen hin zu vernünftiger Erkenntnis, so ist dabei wohl kaum an Gerüche zu denken – auch widersprechen sie ohnehin dem kantischen Postulat der Schematisierung des Sinnlichen in Raum und Zeit schon vor der kategorialen Verarbeitung. Dass das Subjekt, um identisch zu sein, dass Naturhafte austilgte, dürfte sich sich in besonderer Weise am Riechen darlegen lassen. Vor diesem Hintergrund wäre die Dialektik der Aufklärung im Fokus des Riechens zu lesen. Das betrifft auch die Konzeption einer möglichen Befreiung der Menschheit von Herrschaft und Ausbeutung. … Der Mensch soll Subjekt sein können, ohne seine Natur, ohne seine Triebe unterdrücken zu müssen.
Und das ist genau der Punkt. Am Anfang bekommt man eingebläut, dass der Mensch Bewohner zweier Welten sei, der intelligiblen und der Sinnenwelt. Und wegen dieser Gefangenheit in der Sinnenwelt kann der Mensch nicht göttlich sein, das sinnliche als Makel, das einer Erreichung einer Vollkommenheit immer im Weg stehen wird. Hat man diese Unterteilung gefressen, kann der Mensch nicht mehr als Einheit gesehen werden. Dann sind plötzlich so Sachen wie Hunger oder das Bedürfnis nach Nähe Ausfluss einer endlichen unvollkommenen Natur, die immer nur unvollständig mit einem unvollständigen Verstand gedeckelt werden können…
E = mc² vs. KI
28. Mai 2011Wir fragen uns ja immer, was das alles soll. Mit dem Kategorischen Imperativ. Insbesondere dann, wenn wir hochgebildeten Alphas und Betas mit Deltas zusammengesperrt werden.
Vielleicht ist der Kategorische Imperativ genauso allgemein wie der Energieerhaltungssatz oder Einsteins E = mc² und genauso wichtig oder unwichtig wie diese.
Mit Einsteins Formel kann noch lange nicht die Atomfusion beherrscht werden, aber sie ist wesentlicher Teil ihrer Möglichkeit. Der Energieerhaltungssatz ist wesentlicher Teil unseres westlichen Weltverständnisses, kann davon abhalten, ein perpetuum mobile zu entwickeln – aber es ist ziemlich weit hergeholt, ihn beim Schmieren einer Fahrradkette zu bemühen.
Kant verteidigt sich selbst
25. Mai 2011Da ist mir doch eine Kant-Schrift von 1793 über den Weg gelaufen: Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis. Und da setzt sich Kant schon mit denselben Kritiken an seiner Ethik auseinander, die wir ihm heute noch vorwerfen:
Nach meiner Theorie ist weder die Moralität des Menschen für sich, noch die Glückseligkeit für sich allein, sondern das höchste in der Welt mögliche Gut, welches in der Vereinigung und Zusammenstimmung beider besteht, der einzige Zweck des Schöpfers.
Also der Herr K. ist schon etwas weicher und gemütiger, wenn man eben mehr liest als nur den heiligen KI. Der allein ist wirklich bescheuert und redet Moral- und Pflichteiferern das Wort.
Verfasst von Bernd Müller