Das Gute ist Unfug

28. Mai 2012

… wie beim Essen.
Da ist es auch unsinnig nach der einen Universalformel für gutes Essen zu suchen.
Und es gibt Leute, die kochen und essen intuitiv das Richtige. Davon ausgehend, dass es auf der Welt ziemlich unterschiedliche Kochtöpfe gibt, scheint es da auch unterschiedliche Lösungen zu geben.
Und es gibt Leute, die stellen Tabellen auf über Kohlenhydrate, Eiweiße, ungesättigte Fettsäuren, … Die sagen nichts Falsches. Sie können auch erklären, warum die Leute in manchen Gegenden öfters einen Kropf bekommen oder warum manche Menschen keine Milch vertragen. Aber wenn ich nach den Tabellen esse, wird essen zur Wartung einer Maschine.
Das gute Leben ist so vielfältig wie gutes Essen – und genauso einfach bzw. schwer analysierbar. Manche Moralphilosophen erscheinen in diesem Kontext so wie Ernährungsgurus, die eine bestimmte Diät propagieren.


Atheistische Erleuchtung

24. Mai 2012

In der Vorlesung über Gott ging es um die Einfachheit Gottes. Wie in Gott Essenz und Existenz zusammenfallen, wie die unterschiedlichen Gott zugeschriebenen Eigenschaften eigentlich keine unterschiedlichen Eigenschaften seien, sondern nur Facetten des Einen, wie Gott jenseits von Zeit und Raum existiert…

Und der bockige Atheist in mir frohlockte. Dieser hyperabstrakte, transkategoriale Gott verträgt sich prima mit meinem Un-Gott, an den ich glaube: Die Welt existiert und ist kohärent. Mir wurde echt richtig froh ums Herz. Denn die beiden sind wirklich Zwillingsbrüder. Und für einen kurzen Moment konnte ich spüren, dass auch mein Un-Gott allerlei personal interpretierbare Eigenschaften hat. Sehr erfreulich, erlaubt es mir doch diese entdeckte Verwandtschaft, mich auch an den Quellen von Sinn bzw. Spiritualität dieses Gottes zu laben. In dieser Hinsicht ist mein Un-Gott nämlich etwas spröde.
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Kantiger Buddhismus

23. April 2012

In der Auseinandersetzung mit Kant seiner Ablehnung der Existenz als Prädikat eines Dings ging es nochmal um Real- und Nominaldefinitionen. Und da hieß es, dass Menschen in ihrer Endlichkeit zu beschränkt sind ordentliche Realdefinitionen zu handhaben. Sie sind auf Begriffe, auf Nominaldefinitionen angewiesen. Das heißt, wenn Menschen denken, wälzen sie Begriffe hin und her, Begriffe, die nie die Welt in ihrer Komplexität erfassen. Und auch wenn ich über einen bestimmten Menschen nachdenke – und zwar nicht über Sokrates – sondern einen, der mir nahe steht, etwa Frieda. Dann rauscht mir Frieda als Begriff durch die Rübe und diese Begriffsfrieda ist viel weniger als die Frieda, die mir gegenübersitzt und mich ansieht. Und wenn mir diese Differenz nicht bewusst ist, dann ist Stress vorprogrammiert. Ruft fernöstliche Weisheit deshalb aufs meditative Sitzkissen, um die Wirklichkeit hinter dem Denken zu suchen? Setzt sie deshalb Leiden und Denken in eine enge Beziehung?


Philosophieren als Kulturtechnik?

22. Februar 2012

Ein klares ja, aber.

“Die abendländische Philosophie weist nun darüber hinaus die Eigentümlichkeit auf, nach grundlegenden Begriffen oder Aussageweisen zu suchen – den Kategorien -, die über den bloßen Wechsel oder die potentiell unendliche Vielfalt von Situationen hinausgehen: ethische Grundsachverhalte und -begriffe wie auch erkenntnistheoretische.” (U. Seeberg)

Oder eine zentrale These aus der Vorlesung über moralisches Urteilen: Handlungen sind gut oder böse (tertium non datur)

An diesen beiden Sätzen kondensieren meine Zweifel. Wie ist das mit der abendländischen Philosophie und ihrem Dualismus, ihrem wahr oder falsch, ihrer Ausrichtung an der klassischen Mechanik von Newton und Gallileo. Wie ist das mit der Quantenphysik, dem deterministischen Chaos, dem Tetralemma.

In einem kleinen Büchlein zur Gewaltfreien Kommunikation heißt es:

Die Haltung des „Sowohl-als-auch” zu entwickeln, fällt den meisten schwer, da nicht nur zu Hause und im Betrieb, sondern auch in vielen Medien der Fokus auf Gegensätzen, statt auf Gemeinsamkeiten liegt: Täter/Opfer, gut/böse, oben/ unten. Wir lernen, dass Macht ungleich verteilt ist und dass sie dazu verleitet, sie gegenüber anderen auszunutzen.

Wo führt uns die phänomenologisch-hermeneutisch-dialektisch-analytisch-spekulative Methodenschlange hin? Bringt sie uns dem Guten näher? Oder schafft sie es nur, wie in den Dialogen des Sokrates, die Risse in den Weltbildern der Anderen aufzuzeigen. Was nützt es uns, uns zu feiern, dass wir Nazis oder Homophoben nachweisen, dass ihre Weltbilder “falsch” sind.

Eine Ausweg weist Hannes Bode in einem Vortrag über das Verhältnis von Theorie und Praxis: Die Theorie ohne Empathie ist nichts und umgekehrt.


Auf einem Auge blind

21. Februar 2012

Sokrates, Plato und Aristoteles philosophieren trefflich über das Gute – in einer Gesellschaft, in der Frauen, Kinder und Sklaven keine richtigen Menschen sind.

Die Aufklärer klären auf, finden Toleranz toll und feiern die Vernunft, verhelfen dem Kapital zur Freiheit. Und sie kommen gut mit dem Sklavenhandel im 18. Jahrhundert klar, zumindest ist das nicht ihre wesentliche Baustelle. Für Voltaire und Kant sind Neger keine vollwertigen Menschen.

Und genau in dieser Tradition dönsen wir weiter über einen ethischen Minimalkonsens, während FRONTEX uns das hungrige Negerpack vom Hals hält.

Wir reflektieren genauestens das Einzelne, unseren Bauchnabel, das Gewissen, die Vernunft und schweigen über das Ganze.


Naturwissenschaft vs. Philosophie

25. Januar 2012

Gibt es Philosphen, die sagen: “Das weiß ich nicht.”


Hegel und die Ichauflösung

6. Dezember 2011

Ich hatte ja schon mal so einen Schnippsel gefunden, der sich gut mit sitzkissenerfahrenen Ichauflösern verträgt. Hier ist noch so ein Teil:

Diese Bestimmtheit, welche den wesentlichen Charakter des Dings ausmacht, und es von allen andern unterscheidet, ist nun so bestimmt, daß das Ding dadurch im Gegensatze mit andern ist, aber sich darin für sich erhalten soll. Ding aber, oder für sich seiendes Eins ist es nur, insofern es nicht in dieser Beziehung auf andere steht; denn in dieser Beziehung ist vielmehr der Zusammenhang mit anderem gesetzt; und Zusammenhang mit anderem ist das Aufhören des Für-sich-seins. Durch den absoluten Charakter gerade und seine Entgegensetzung verhält es sich zu andern, und ist wesentlich nur dies Verhalten; das Verhältnis aber ist die Negation seiner Selbstständigkeit, und das Ding geht vielmehr durch seine wesentliche Eigenschaft zugrunde.

Und so ein Mensch, ein Individuum ist ja wohl ein Einzelding. Wenn ich den obigen Absatz mit Individuum statt mit Ding lese, dann kommt da eine herrliche Kritik am Feiern des autonomen Einzelmenschen raus. Der Mensch kann gar nicht anders als sich im Verhältnis zu anderen zu verhalten.

 


Tolle und Wittgenstein passen gut zusammen

4. Dezember 2011

Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.
Ludwig Wittgenstein

Wenn wir Dinge, Menschen oder Situationen mit verbalen oder mentalen Etiketten versehen, wird unsere Wirklichkeit hohl und leblos.
Eckhart Tolle

Sind das Angriffe gegen das Primat des diskursiven Denkens und Aufrufe zu allerlei Formen des präsentativen Denkens.


☯ Hegels Wirklichkeit ☯

25. November 2011

Als wir so über Hegels Begriff von der Wirklichkeit sinnierten, kam mir das allseits beliebte Yin-Yang-Symbol in den Sinn. Beim Suchen nach einer Vorlage fand ich eine Version, die der Tatsache gerecht wird, dass die Welt ohne unser Bewusstsein auch noch da ist.


Hegelfrage

7. November 2011

Wenn sich das Denken verflüssigt, verflüssigt sich dann auch das Handeln?


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