Heinz Schmidt – „Ethik“ in der Schule

Meine Fragen:

  1. Warum wird eudämonistisch in einem abwertend-negativen Kontext verwendet?
  2. S.13: „Ziel einer sinn- und wertorientierten Didaktik kann es daher nicht sein, die Anerkennung bestimmter Überzeugungen und Vorstellungen durchzusetzen,…“ Dann aber wieder doch: „Pluralität und Relativität haben freilich Grenzen. … Grundsätzliche normative Vorgaben liegen in den Grund- und Menschenrechten vor.“ Ja, wie denn nun? Wie zu Kants Zeiten: „Räsonieren“ über hetero- oder homosexuell, aber den Grund- und Menschenrechten gehorchen?
    Derselbe Widerspruch auf S. 18: „Indoktrination und unkritische Affirmation von Glaubenswahrheiten, Traditionen und Autoritäten sind (damit) ausgeschlossen.“ vs. „Ausgenommen hiervon ist allerdings die Achtung vor der Würde des Menschen.“
  3. S. 16: „Früher konnte man davon ausgehen, dass der Religionsunterricht … den weltanschaulich-ethischen und religiösen Bildungsauftrag erfüllt.“ Wie ist das hier im Osten. Welche Rolle spielt die längere Tradition von religiöser Bindungslosigkeit und Vulgäratheismus?
  4. S. 19: Was ist ein „ethischer Grundkonsens?“ Wer hat sich da auf einen Konsens geeinigt.

Was mir gut gefallen hat:

  1. „Die im Ethikunterricht vorausgesetzte Weltanschauung ist nicht prinzipiell säkularistisch, d.h. sie verbietet nicht religiöse Weltinterpretationen. Sie beschränkt sich aber auf die Innenperspektive von Welterfahrung und -deutung, aus der heraus religiöse Aussagen als symbolische Produktionen erscheinen, die eine der Beobachtung entzogenen Außenperspektive auf das Ganze und seine inneren Verhältnisse formulieren und damit die Kontingenzprobleme im weitesten Sinn zu lösen versuchen, die aus der Innenperspektive unlösbar bleiben müssen.“
    Eben das schwere Leben des Atheisten, der die Sinnfrage nicht an die Hilfsvariable Gott delegieren kann. Passt zu meinem Lieblingsspruch von Günther Anders: „Mit eiserner Inkonsequenz handle ich so, als ob es einen Sinn gäbe.“
  2. „Didaktisch umgesetzt führen diese Überlegungen zu der Forderung, die leitenden Werte innerhalb der verschiedenen. „Lern(ziel)-Bereiche“ unter Rückgriff auf leitende Traditionen mit Beispielen aufzugreifen sowie die kritischen Ansatzpunkte, d.h. die Wertkonflikte bei den gesellschaftlichen Teilsystemen und Strukturen anzuzeigen. Hier zeigt sich ein Defizit fast aller- nicht nur der neuen – Lehrpläne und der gesamten didaktischen Literatur zum EU. So legt sich in der Tat zumindest bei den hauptsächlich schülcr- und gesellschaftsorientierten Themen der Grundschule und der Sekundarstufe 1 das Mißverständnis nahe, es handle sich hier um recht unverbindliche Lebenskunde oder Lebenshilfe, für die die Orientierung an den Grundrechten und Grundwerten nur den allgemeinen legitimatorischen Hintergrund abgebe.“
    Für mich heißt das, ich darf und muss eigentlich auch „aufs Ganze“ gehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s