Tanz und Philosophie

Aus dem Ankündigungstext:

ein praktischer Workshop in Bewegung. Bewegungserfahrungen werden als Ausgangpunkt genommen, um eine Philosophie des Körpers zu entwerfen.
Erfahrung in Tanz oder philosophische Vorbildung ist nicht notwendig – denn jede/r ist Expert/in für den eigenen Körper und in der Philosophie und Phänomenologie des Körpers geht es darum, dies in systematischer Weise beschreibbar zu machen.
Die Philosophie hat den Körper im Laufe der Geschichte auf unterschiedliche Weise gedacht. In diesem Seminar werden wir phänomenologisch das Thema der eigenen Körperlichkeit thematisieren und ein Denken der Einheit ausprobieren, in dem Erleben und Denken nicht gegeneinander stehen sondern sich in ihrer Verschiedenheit ergänzen. Der Tanz ermöglicht es, philosophische Begriffe erfahrbar zu machen, denn der Tanz hat als Subjekt und Objekt seiner Kunst den menschlichen Körper und verfügt darüber hinaus über einen eigenen Diskurs. (Mónica Alarcón)

  • Die Referentin scheint ein wenig geknickt, dass da so viele tanzerfahrene Frauen sitzen, die wissen wollen, was Tanz mit Philosophie zu tun und so wenige Philosophen, die wissen wollen, was Philosophie mit Tanz zu tun hat.
  • Ich hab mit Figurentheater, systemischen Aufstellungen oder Weltarbeit experimentiert, allerlei Methoden jeneseits der Sprache zu denken, mit dem Unbewussten zu kommunizieren. Leider sind in diesen Zusammenhängen oft Leute unterwegs, die etwas gegen ihren Verstand zu haben scheinen, die ihr „wahres“ Ich jenseits des Verstandes suchen.
  • Die übliche Aufwärmung bei Theaterworkshops – so rumlaufen, auf den eigenen Körper konzentrieren, die einzelnen Gelenke, dann mal den anderen Leuten in die Augen schauen.
  • Und als wir so mit neuen, neugierigen Augen mit allerlei Verrenkungen im Raum umherschauen sollen, da wird mir klar, wie sehr mein Mathematikerhirn den Raum mit Koordinatensystemen, Längen, Breiten und Höhen überformt hat und auch ganz andere Beschreibungen, eine andere Wahrnehmung des Raumes möglich sein sollte. So etwas ähnliches ist mir schonmal in einem Buchenwald passiert – diesmal hat es auf einer von rechten Winkeln völlig verseuchten Bühne geklappt.
  • Dann der Klassiker. Einer klappt die Augen zu, jemand anderes führt/passt auf. Das habe ich jetzt schon das dritte Mal gemacht und es war jedes mal anders. Ach das war für mich entspannend, die Verantwortung für meine Sicherheit abgeben zu dürfen. Für die 15 Minuten war es auch nicht störend, nichts zu sehen, der Raum war ja immer noch da – was fehlte, waren die Farben.
  • Nächste Runde. Einer liegt auf dem Boden, der andere hebt vorsichtig die verschiedenen Körperteile hoch, spürt ihre Schwere. Das war schwieriger, so völlig loszulassen, die völlige Kontrolle abzugeben, wirklich entspannt wie eine Gliederpuppe zu sein.
  • Was das alles mit Philosophie zu tun hat. Ich stecke ja immer noch in der Aufklärung fest, bei Kant und Co. Der Workshop machte nochmal deutlich, wie stark unser Bild von der Welt von unseren Sinnen abhängt.

Ein Gedanke zu „Tanz und Philosophie

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