Können wir wollen, was wir wollen 2

Jetzt habe ich mal den Artikel durchgeschmökert. Was habe ich mir angestrichen:

Der Mensch ist Teil eines hochkomplexen, chaotisch-deterministischen Gesamtsystems, innerhalb dessen er selbstorganisierend agiert.

Perönlichkeit und Charakter:

Das Kind lernt nun immer mehr hinzu. Es beobachtet das Verhalten anderer, testet Neues aus, übt sich im Umgang mit Dingen und Personen. Es assimiliert und akkommodiert. Jede Situation kerbt sich ein. Jede neue Kraft, jeder neue Tag wird gemessen und beurteilt nach dem Stand von gestern. Das Kind wandelt sich, ergänzt und revidiert sein Wissen. Es wächst. Und mit ihm wächst sein Weltwissen, seine Weltkonstruktion, seine ganz persönliche Lebensphilosophie. Die ehemals weichen, biegsamen Strukturen verfestigen sich immer mehr. Die Muster werden konstanter. Die Dynamik nimmt ab. Der/die Jugendliche besitzt bereits eine relativ stabile Charakterstruktur. Aber noch ist radikaler Wandel möglich. Doch von Tag zu Tag, von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr wird die Wahrscheinlichkeit eines grundlegenden Wandels immer geringer. Dialektische Kräfte von außen, die in früheren Jahren noch eine Revolution des Charaktersystems hätten bewirken können, zerschmettern nun an der mächtigen Festung des erwachsenen Ichs. Und doch: Nie ist ein radikaler Wandel ganz ausgeschlossen. Mal ist für den Einbruch der Fundamente ein gewaltiges Erdbeben verantwortlich. Mal ist es der stete Tropfen, der den gewaltigen Panzer der Charakterfestung noch zu besiegen vermag.

Gott und Freiheit:

Viele Philosophen und Theologen haben die Ansicht vertreten, dass das Kausalprinzip nur für die materielle, nicht für die geistige Welt gelte, in der das Prinzip der Freiheit vorherrsche. Hieran erkennen wir, dass das Festhalten an der Idee der Willensfreiheit erkauft werden muss durch die Konstruktion eines Dualismus von Geist und Materie, Vernunft und Körperlichkeit. Ein recht problematischer Dualismus, der mehr Probleme erzeugt, als er löst. … Die Frage, ob der freie Wille an sich existiert oder nicht, ist rational nicht entscheidbar.
Die prämoderne, zirkuläre Rechtfertigung des freien Willens (der freie Wille existiert, weil er uns von Gott gegeben wurde und Gott existiert, weil wir den freien Willen haben) sollte jedenfalls aufgeklärte Menschen heutzutage nicht mehr sonderlich beeindrucken.

Und das ist genau das, was mir gefällt. Na gut, der Herr Aichele würde die Position des Autors wohl auch unter Kompatibilismus einordnen. Aber für mich stellt sich die Frage anders. Nämlich, ist das überhaupt die richtige Frage: Gibt es Willensfreiheit? Eigentlich geht es doch darum, das menschliche Handeln zu beschreiben, um eine „Kritik des Lebens“, wie Daniel Robinson es formuliert.

Mir fallen so Diskussionen um die Wellen- oder Teilchennatur des Lichts ein – und beide Lager hatten unrecht. Und es macht mich stutzig, wenn im Gedöns um die Freiheit immer so Sachen auftauchen wie: „Freiheit ist die Grundlage des ethischen Handelns.“ Ich kann auf das Konzept der Freiheit gern verzichten, wenn es nur dazu gebraucht wird, um zu rechtfertigen, Leute in den Knast zu stecken, weil sie sich kraft ihrer Willensfreiheit für Gestzwidriges entschieden haben. Und ich kann auf dieses Konzept verzichten, wenn Verlierern der Gesellschaft mangelnder Wille zum Erfolg vorgeworfen wird. Freiheit als Eckpfeiler der Ideologie der bürgerlichen Gesellschaft.

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