Immer noch bei Hegel 1

Zwei Fragen sind noch offen:

1. Wie soll ich Hegels Phänomenologie lesen?

Die bisher behandelten Autoren, egal ob Aristoteles, Thomas von Aquin oder Kant, treten mit dem Anspruch auf, ein „ordentliches“, wohldefiniertes, widerspruchsfreies, vollständiges System aufzubauen. Immer mal gibt es lobende Erwähnung der Euklidischen Geometrie, der Mathematik überhaupt. Will ich sie kritisieren, kann ich trefflich ihre Begriffe kritisieren. Ich kann mich an Kants Apriori-Raum-Zeit reiben oder an der Seele als Form des Menschen.

Bei Hegel ist das anders. In wie viel Stufen beschreibt er die Entwicklung des Geistes? Bis zum unglücklichen Bewusstsein 5 Stufen: Sinnliche Gewissheit, Wahrnehmung, Erscheinung und übersinnliche Welt, Selbständigkeit und Unselbständigkeit des Selbstbewusstseins, Freiheit des Selbstbewusstseins. Und danach geht es ja noch weiter. Auf jeden Fall eine Riesenwolke von Begriffen, ein eigener Märchenkosmos a lá Herr der Ringe. Die Frage ist jetzt: Ist dieses Gebäude ein Kartenhaus, das zusammenstürzt, wenn ein Teil falsch ist? Oder ist das Gebäude eine Pyramide, die weiter fest steht, auch wenn einige Steine morsch sind, die selbst dann noch Bestand hat, wenn ein gesamtes Stockwerk zusammenbricht?

Ich bin für die zweite Lesart. Und bin fasziniert von der Hegelschen Methode des Pyramidenbaus. Trotzdem ist mir wohler dabei, wenn ich Hegel eher wie Prosa, wie einen Roman lese.

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