Thomas von Aquin: De Ente et Essentia

Zur Vorbereitung der Klausur hatte ich mal aufgeschrieben wie ich die ersten drei Kapitel verstanden habe:

Ähnlich wie Aristoteles staunt Thomas über eine Wolke von Begriffen: Ens, essentia, Gattung, Art, Substanz, Definition, Form, Materie, … Im Unterschied zu Aristoteles muss er noch Gott, die Engel und andere theologische Sachen mit unterbringen.

In dieser Hinsicht erinnert er mich an mein Leben vor 1989 als in das Offensichtliche noch die historische Mission der Arbeiterklasse u.a. mit eingebaut werden musste. Manchmal grübele ich, ob es in dem System, das mir jetzt nahegebracht wird, ähnliche Zusatzentitäten gibt: Die Willensfreiheit wäre für mich so ein Kandidat.

Jedenfalls hat Thomas noch den Optimismus ein hierarchisches System aufzubauen. Sein Ausgangspunkt sind das ens – das Seiende, ein Einzelding oder ein Begriff und essentia – das Wesen, die Natur, die Washeit, für mich am Schlüssigsten das Sperrige Was-es-ist-das/dies-zu-sein.

Ziel seiner Untersuchung sind die vollkommensten Dinge, Gott und die Engel.

Er beginnt aber seine Überlegungen mit den alltäglichen Dingen: Herr Podhaisky, Menschen oder Bälle sind für ihn zusammengesetzte Substanzen. Sie bestehen für ihn aus Materie und Form. Er folgt dabei streng Aristoteles, für den ein Haus aus Steinen und Balken als Materie und der speziellen Anordnung von Steinen und Balken als Form besteht. Diese Vorstellung wird auch auf komplexere Gebilde wie Menschen oder Begriffe übertragen. Diese Vorgehensweise wirkt für mich etwa im Falle des Menschen etwas aufgesetzt, mindestens nicht zwingend. Für den Aristoteliker Thomas ist sie aufgrund der teleologischen Prämissen selbstverständlich.

Für Thomas bezeichnet dabei „Wesen“ das, was aus Materie und Form zusammengesetzt ist, weil es nicht die Materie oder die Form allein sein kann und auch keine zusätzliche Relation zwischen beiden.

Weil auch Begriffe zusammengesetzte Substanzen sind, unterscheidet Thomas bezeichnete und unbezeichnete Materie. Bei den konkreten Einzeldingen sorgt die bezeichnete Materie für die Individualität des Einzeldings, so dass formgleiche Dinge, etwa perfekte Klonschafe unterschieden werden können. Der Übergang von bezeichneter zu unbezeichneter Materie stellt das Scharnier zwischen metaphysischen und logischen Entitäten, zwischen Dingen und Begriffen dar. Dieses Scharnier ist nötig, um Sätze wie „Herr Podhaisky ist ein Mensch“ formulieren zu können.

Thomas sieht Analogien in den Triaden Gattung-Unterschied-Art auf Seiten der unbezeichneten Materie und Materie-Form-Wesen auf Seiten der bezeichneten Materie. Die verschiedenen Arten sind in unbestimmter Art schon in der Gattung angelegt und werden durch den artbestimmenden Unterschied genau bestimmt. Was aus einem Quantum bestimmter Materie werden kann, ist in dieser schon angelegt, und wird durch die Form bestimmt und ist dann das Wesen der zusammengesetzten Substanz.

Mit meinem Hegelanfängerwissen kommt mir das Paar Seiendes-Wesen wie so eine Negationsfigur bei Hegel vor. Intuitiv erkennt das Bewusstsein zuerst das Seiende, grübelt danach über das Wesen nach und kommt im Falle des Menschen etwa auf vernunftbegabtes Lebewesen, vielleicht aber auch auf Lebewesen mit den längsten Haaren am Kopf. Je nachdem auf welches Wesen sich das Bewusstsein eingeschworen hat entsteht aus der Synthese von Sein und Wesen die aktuelle Wirklichkeit des untersuchten Objekts. Im Falle des Menschen z.B. Einzelhering, Schwarm oder beides.

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