Meine aktuellen Probleme mit Gott & Co

meine Fragen haben alle denselben Ursprung. Meine geistige Herkunft ist in der Terminologie von Herrn Aichele der materialistische Reduktionismus. Dort fühl(t?)e ich mich sicher, warm und wohl. Und jetzt diese Ausbildung, die behauptet, mein Heimatdorf sei auf Sand gebaut. Mein Herz, dass sich nach Heimat und Sicherheit sehnt, brubbelt und kollert. Mein Verstand hat viele offene Fragen.

  1. Ich bin jetzt das zweite Mal (nach einem Ankämpfen gegen Kants apriori-Auffassung von der Mathematik) mit meiner Gewissheit, dass die Mathematik eine spezielle Naturwissenschaft ist, auf unerwarteten Widerstand gestoßen. Bei Augustinus sind die Zahlen auch schon wieder im Geist, weil er sie nicht sinnlich wahrnehmen kann.
    Mir scheint es fast so, als ob die Mathematik als Geisel zur Stützung der eigenen Überzeugungen über die Verfasstheit der Welt genommen wird. Zumindest mache ich das so.
    Worin besteht das Problem, „Fünf“ als gemeinsame Eigenschaft der Auswüchse an meinen Händen und Füßen zu erkennen? Wieso soll die „Fünf“ vorher in meinem Geist sein?
  2. Es kann schon sein, dass es Willensfreiheit „im harten Sinne“ gibt. Den vorgebrachten Argumenten kann ich gut folgen. Aber aufgrund meiner materialistisch-reduktionistischen Herkunft kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Willensfreiheit anders als materiell generiert wird. Aber muss ich das überhaupt? Ist diese Willensfreiheit, die wir wahrscheinlich nicht mit den Amöben teilen, nicht einfach ein qualitativer Entwicklungsschritt in der Evolution, der uns in komplexen Entscheidungssituationen handlungsfähig hält. Und wahrscheinlich werden die Informatiker eher dahinterkommen, wie dieses Dingens Willensfreiheit programmiert ist als Philosophen oder Neurophysiologen.
  3. Gott und Gödel. Könnte es nicht auch sein, dass die Aussage „Gott existiert“ im Rahmen dessen, was wir heute über die Welt wissen so etwas ist wie die Kontinuumshypothese. Zu klären wäre natürlich, was das axiomatische System sein soll, mit dem wir die Welt beschreiben und mit dem sowohl Gottes Existenz als auch Nichtexistenz verträglich sein soll. Obwohl, wenn es stimmt dass wir nicht mit Realbegriffen sondern immer nur mit Nominaldefinitionen arbeiten, dann ist es vielleicht gar nicht so abwegig, dass Menschen genauso blöd sind wie endliche Automaten.
  4. Dann noch eine Vorlesung Gott. Ich habe Probleme mit dem Einstieg. Mit der Aussage, dass die Annahme der Existenz transzendenter Gegenstände kein Unsinn sei, habe ich mich gut angefreundet. (Woran es noch hapert, ist die Einsicht in den Sinn, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen. Da habe ich wohl jetzt das Level der logischen Positivisten erreicht, die der Ansicht sind, es sei Unsinn, sich mit Sachen wie Gott zu beschäftigen.)
    Aber wie kommt man von da zu einer Untersuchung Gottes mit den Prädikaten Existenz, Einfachheit, Allwissen, Allmacht und Güte.
    Wenn ich mich dafür entscheide, transzendente Dinge zu untersuchen, wie oder was Gott sein könnte, dann fallen mir alle möglichen Sachen ein, was da draußen außerhalb meiner sinnlichen Wahrnehmung sein könnte: Wieso nur ein Gott, wieso kann es nicht sein, dass die Wirkung eher in die andere Richtung geht und wir Gott erschaffen.Ich begreife gar nicht, worum es in dieser Vorlesung geht.
    Untersucht die Vorlesung, was es über diesen historisch gewachsenen Gott so von rational theologischer Seite zu sagen gibt. Oder soll gezeigt werden: Wenn es Gott gibt, dann mit Notwendigkeit mit diesen Eigenschaften.
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