Philosophie als Herrschaftstechnik?

Was bedeutet es, in einem geschlossenen System mit fertigen Begriffen nach vorgegebenen Regeln zu Jonglieren? Ich sehe in „unserem“ System drei eherne Säulen: zweiwertige Logik/Widerspruchsprinzip, die Annahme von a-priori-Fakten & Anthropozentrismus.

Ich schreibe das, weil ich gestern einen Vortrag zum Konzept des Sumak kawsay der indigenen Völker des Andenraumes gehört habe. Dort gab es Hinweise auf das Denken in vorkolonialer Zeit:

  • Es gibt so ein zentrales Konzept „pacha“, das Zeit und Raum enthält. Die Zukunft ist in diesem Denken ein Wieder-Holen der Vergangenheit. Der Referent erinnerte sich an seine Verwirrungen als er mit 6 Jahren Spanisch lernte und damit ein neues „a priori“ aufgedrückt bekam.
  • Es gibt ein Denken in 4 Wahrheitswerten im Sinne einer Tetralektik. Mir fiel sofort das Tetralemma ein. In einem Nebensatz hieß es, dass Aristoteles ein solches Denken verdrängt habe.
  • Schon das Denken des Menschen als Teil der Natur trennt ihn von dieser. Es gibt überhaupt keinen Gegensatz keine Dualität: hier der Mensch – da das Andere die Umwelt, die Natur.

Und was heißt das nun, wenn Kant sagt, wir können nicht zu den Dingen an sich vordringen und sehen unsere Welt durch die apriori-Brille. Kann es sein, das wir durch unsere Art des Philosophierens Teil des Systems sind, das gerade auf eine Singularität zusteuert. Und dann stellt sich raus: an anderen Ecken der Welt gibt es andere Brillen.

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