Philosophie & Kommunikation

Gerade bin ich wieder über Watzlawicks Axiome der Kommunikation gestolpert. Die Nummer 4 hat es mir angetan:

„Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten.“

Nicht nur das gesprochene Wort (in der Regel digitale Kommunikation), sondern auch die nonverbalen Äußerungen (z. B. Lächeln, Wegblicken …) teilen etwas mit. Die digitale Kommunikation verfügt über eine komplexe und logische Syntax, entbehrt aber auf dem Gebiet der Beziehungen einer Semantik. Die analoge Kommunikation verfügt über ein solches semantisches Potenzial auf dem Gebiet der Beziehungen, entbehrt aber einer Syntax, die eine eindeutige Definition der Natur von Beziehungen leisten kann. Mit analogen Elementen wird häufig die Beziehungsebene vermittelt, mit digitalen die Inhaltsebene.

Kommunikation gelingt bei Übereinstimmung zwischen analoger und digitaler Botschaft und wenn die Kommunikationspartner beide Teile der Botschaft in gleicher Weise interpretieren. Kommunikation misslingt bei Nichtübereinstimmung oder bei Unklarheiten einer der beiden Botschaften oder dann, wenn eine oder beide Botschaften unterschiedlich interpretiert werden. Wenn die analoge und die digitale Aussage übereinstimmen, ist die Botschaft kongruent. Besondere Probleme entstehen dadurch, dass beide Ebenen mehrdeutig sein können und vom Kommunikationspartner interpretiert werden müssen.

Damit wird mir manches klar. Philosophie, so wie wir sie in diesem Semester (Aristoteles und Davidson) betreiben, ist analytische, ist Sprachphilosophie, ist digital. Im Pausengespräch versicherte der Dozent, dass diese sprachliche Auseinandersetzung sehr weit tragen kann. Der Philosoph habe den Optimismus, dass alles sprachlich zu klären sei.

Was, wenn mein Leben in der Welt Kommunikation mit der Welt ist? Dann ist die Philosophie, egal ob als ehrbare Wissenschaft oder als Biertischgestammel, der digitale Aspekt dieser Kommunikation – und damit unvollständig, blendet den Beziehungsaspekt aus. Sprach- und wissenschaftsfeindliches Raunen aus der Sitzkissenecke wird möglicherweise diesem Beziehungsaspekt eher gerecht, blendet aber eben aus, dass der Mensch nunmal sprachgestützt denken kann.

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