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In etwa 150 Posts habe ich hier allerlei Überlegungen im Zusammenhang mit einem berufsbegleitenden Ethiklehrerstudium an der MLU angestellt. Nach drei Jahren ist  endgültig Schluss. Ich höre aber nicht auf zu denken und bleibe weiter geschwätzig:

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Was heißt „Sein“

Heureka, klick im Hirn. Ich weiß es nicht. Ich habe gemerkt, dass mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine schlüssige Erklärung, keine Definition für das Wort „sein“ oder „ist“ zur Verfügung steht. Jeder garstige Sokrates könnte mich mit geschickten Fragen in die Ecke treiben, wenn ich behauptete, ich hätte vom Konzept der Existenz mehr als nur eine Vorstellung.

Zwei Sachen fanden vor diesem Klick statt:

1. Sebastian hat mich in seinem Kommentar zu Begriff und Ding entlarvt:

Aus Ihrer Darstellung ist ersichtlich, dass sie nominalistisch Argumentieren, indem Sie die Prämisse einführen, dass es nur Einzeldinge gibt und dass diese die Gegenstände unserer Erkenntnis sind, welche letztlich als unvollkommene Begriffe (Abglanz) in unserem Kopf rumgeistern…

Diese Analyse trifft wohl zu und hat mich schwer getroffen. Vielen Dank für die Granate in ein Fundament meiner Gedankengebäude. Ich kann jetzt klarer erkennen, wie ich ticke, wenn ich unreflektiert nachdenke.

2. Im Aristotelesseminar gab es die Frage, was denn wohl typisch aristotelisches Denken sei. Es gab eine schnelle Kurzübersicht, die in der Zusammenfassung mündete, dass Aristoteles im Grunde genommen möglichst vorausetzungslose analytische Philosophie betreibe. Mir fiel das Bild von Strawson ein, der meinte, wir hätten mit unserer Sprache ein Netz vor uns mit allerlei Knoten und Verbindungen, die der Philosoph untersuche. Das Sein ist dann so ein Knoten mit besonders vielen Verbindungen zu andren Knoten. Aber die Philosophie kann gar nicht klären ob es etwas gibt, sie kann nur versuchen zu klären, was es heißt: Der Stuhl ist. Das Seiende als Seiendes eben.

Thema Strafe

Wie ich so über Strafe nachdenke und recherchiere, fällt mir natürlich auf, das bei unseren Mindmaps und sonstigen 5-fingerigen Analysen überhaupt nicht darüber nachgedacht wird, ob Strafe überhaupt sinnvoll ist. Da lief mir so ein Heftchen aus der Projektwerkstatt zum Thema Strafe über den Weg, in dem der Gefangene Michael Diehl zu Wort kommt:

Man sperrt mich ein, um mich auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten.
Man nimmt mir alles, um mich zu lehren, mit Dingen verantwortungsvoll umzugehen. Man reglementiert mich permanent, um mir zur Selbstständigkeit zu verhelfen.
Man entfremdet mich den Menschen, um mich ihnen näher zu bringen.
Man bricht mir das Rückgrat, um mir den Rücken zu stärken.
Man programmiert mich auf Anpassung, damit ich lerne, kritisch zu leben.
Man bringt mir Misstrauen entgegen, damit ich lerne, zu vertrauen.
Man bricht vor meinen Augen die Gesetze, damit ich lerne, diese zu achten.
Man sagt „zeige Deine Gefühle“, damit man mit ihnen spielen kann.
Man sagt „Du bist resozialisiert“, wenn ich zu allem nur noch nicke!

Ist vielleicht auch ein bisschen viel verlangt, mit kreuzbraven Lehrern das Verhältnis von Herrschaft und Strafe zu beleuchten oder gar zu hinterfragen.

Thomas & Eckhart

Im Seminar zu Thomas von Aquin hieß es, Gott sei „reines Sein“, dem nichts fehlt, die vollständige Aktualität ohne jegliche Potentialität.

Eckhart Tolle sagt:

Wenn du damit leben kannst, nicht zu wissen, wer du bist, dann bist du das, was übrig bleibt – das Sein hinter dem Menschsein, ein Feld purer Möglichkeiten anstelle von etwas, das schon definiert ist. Gib es auf, dich zu definieren, dir selbst und anderen gegenüber.

Das passt gut zusammen. Göttlichkeit als Aktualität ohne Potentialität. Menschlichkeit als Potentialität ohne Aktualität.

Die Umarmung des Universums

In immer neuen Schleifen dreht sich Hegel um nur im Zusammenhang Seiendes. Heute mal die Kraft:

Es ergibt sich hieraus, daß der Begriff der Kraft durch die Verdopplung in zwei Kräfte wirklich wird und wie er dies wird. Diese zwei Kräfte existieren als für sich seiende Wesen; aber ihre Existenz ist eine solche Bewegung gegeneinander, daß ihr Sein viel mehr ein reines Gesetztsein durch ein Anderes ist, d.h. daß ihr Sein vielmehr die reine Bedeutung des Verschwindens hat. Sie sind nicht als Extreme, die etwas Festes für sich behielten und nur eine äußere Eigenschaft gegeneinander in die Mitte und in ihre Berührung schickten; sondern was sie sind, sind sie nur in dieser Mitte und Berührung.

Mir scheint Frida Kahlos Bild, das sich um „alles“, um Welt vs. Mensch, Mann und Frau, um Leben und Tod dreht, gut zu passen.



The Love Embrace of the Universe, The earth (Mexico), Myself, Diego and Señor Xó