Plato und Adorno

1. Am Anfang waren die Naturphilosophen. Die emanzipierten sich von archaischen Mythen und haben sich selber was ausgedacht, wie die Welt funktioniert. Vorteil: Ein klares Komplettpaket. Nachteil: Die Grundlagen sind nicht geklärt, bleiben im Nebel.
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Gedachte Ideen

Welchen Status haben Ideen, die ihre Relevanz erstmal nur durch das Gedachtwerden haben?
Da steht also eine Quietscheente auf dem Tisch und sie sollte erkannt werden: so ein gelber Fleck im Raum, über den wir uns austauschen konnten und wir hatten wohl auch alle ähnliche empirische Erfahrungen mit diesem Etwas da auf dem Tisch. Die Diskussion über Ente und Idee von der Ente – geschenkt. Die gibt es beide. Und manche machen ein Problem draus, wer zuerst da war, wer von wem abhängt.

Um was es mir geht, sind so Entitäten wie Seele, Gewissen, Liebe,… Da scheint es doch darum zu gehen, das Verhalten der Blackbox Mensch mit Hilfe einer inneren Struktur zu erklären. Und da hat Aristoteles also die Seele „erfunden“ – aber vorsichtig, wie immer, nur als funktionales Konstrukt. Ein paar hundert Jahre später wird „Seele“ (von Nichtphilosophen) wie ein Ding gehandhabt. Ähnliches habe ich von „Gewissen“ gehört, das Luther in den deutschen Sprachgebrauch eingeführt hat. Oder ES und ÜBER-ICH bei Freud. In manchen Yogatraditionen fließt Kundalinienergie durch Chakren.

Wie ist das also mit all den Ideen, die benutzt werden, um das menschliche Verhalten zu erklären. Gibt es Seele, Gewissen, Liebe so wie Quietschente und Wombat oder nur wie Quadrat und Dreieck? Ähnelt die Idee von der Liebe eher der Idee vom Wombat oder der Idee vom Quadrat? Wie stehen Descartes, Locke & Leibniz dazu?

Aristoteles und Nachhaltigkeit

Aristoteles in der Nikomachischen Ethik:

Das vollendet Gute muß sich selbst genügen. Wir verstehen darunter ein Genügen nicht bloß für den Einzelnen, der für sich lebt, sondern auch für seine Eltern, Kinder, Weib, Freunde und Mitbürger überhaupt, da der Mensch von Natur für die staatliche Gemeinschaft bestimmt ist. Indessen muß hier eine Grenze gezogen werden. Denn wollte man dies noch weiter auf die Vorfahren und Nachkommen und auf die Freunde der Freunde ausdehnen, so käme man an kein Ende.

Dieses Ausdehnen auf Nachkommen und Freunde der Freunde, das ist genau das was für indigene Völker selbstverständlich ist, was im Konzept des buen vivir steckt, worauf wir Westler uns erst wieder rückbesinnen müssen. Wurzelt unser Die-Erde-Untertan-machen und Nach-mir-die-Sintflut kulturell in dieser Zeit?

Jiddu Krishnamurti

raunt:

Alle Ideologien, ob religiöse oder politische, sind idiotisch, denn es ist das begriffliche Denken, das begriffliche Wort, das die Menschen auf so unglückliche Weise spaltet.

Aber vielleicht schüttet er das Kind mit dem Bade aus. Nach mal wieder einem Semester Aristoteles ist schon klar, dass die Begriffe erbärmlich grobe Werkzeuge sind, sich über die Welt zu verständigen. Aber was bleibt ohne Sprache?

Sind die Menschen „unglücklich gespalten“, weil sie begrifflich denken oder nur weil sie nicht begreifen, was begriffliches Denken bedeutet und Einzelnes und Begriffe munter mischen, wenn sie ihnen „durch die Rübe rauschen“.

Vielleicht reicht es, das begriffliche Denken zu begreifen und seine Möglichkeiten und Beschränkungen auszuloten. Es kann nicht darum gehen, in Magie und Mystik allein zurück zufallen. Ungefähr so, wie in der Gewaltfreien Kommunikation, bei der es nicht darum geht, das bewertende, interpretierende Denken der Wolfssprache zu verbieten, sondern aufzuheben.

Kant & Focault

Das Ringen Kants um die Kategorientafel scheint mir mit meinem verblassenden mathematischen Hintergrundwissen wie das Suchen nach einem Axiomensystem. Kant geht dabei noch davon aus, dass Axiome nicht bewiesen werden müssen, weil sie evident sind. Ich habe diese Suche durch die Brille der Zeit nach der Grundlagenkrise der Mathematik gesehen, mit so Erinnerung an Euklidische und Nicht-Euklidische Geometrie. Deshalb wohl meine Abneigung gegen ein personenunabhängiges, nicht kulturell bedingtes a priori, das allen Einzelvernunften gemeinsam ist.

Dachte ich mir zumindest, dass ich so ticke. Aber dann habe ich nochmal nachgeklickert und festgestellt, dass Focault das a priori als etwa historisch bedingtes sieht. Und „Überwachen und Strafen“ habe ich natürlich gelesen. Und auch Eske Bockelmann mit seinem „Im Takt des Geldes.“ Schon lustig, das hatte ich ganz vergessen, was ich so alles gelesen habe, so dass sich mein Denken dahin entwickelt hat, dass ich denke, dass das Denken (das die Welt mitkonstruiert¹) biografisch und historisch-kulturell determiniert ist.

¹ Wie unter Begriff und Ding zu lesen, wurde ich als Nominalist geoutet – bin nun bestrebt mich zu bessern :-)

Was heißt „Sein“

Heureka, klick im Hirn. Ich weiß es nicht. Ich habe gemerkt, dass mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine schlüssige Erklärung, keine Definition für das Wort „sein“ oder „ist“ zur Verfügung steht. Jeder garstige Sokrates könnte mich mit geschickten Fragen in die Ecke treiben, wenn ich behauptete, ich hätte vom Konzept der Existenz mehr als nur eine Vorstellung.

Zwei Sachen fanden vor diesem Klick statt:

1. Sebastian hat mich in seinem Kommentar zu Begriff und Ding entlarvt:

Aus Ihrer Darstellung ist ersichtlich, dass sie nominalistisch Argumentieren, indem Sie die Prämisse einführen, dass es nur Einzeldinge gibt und dass diese die Gegenstände unserer Erkenntnis sind, welche letztlich als unvollkommene Begriffe (Abglanz) in unserem Kopf rumgeistern…

Diese Analyse trifft wohl zu und hat mich schwer getroffen. Vielen Dank für die Granate in ein Fundament meiner Gedankengebäude. Ich kann jetzt klarer erkennen, wie ich ticke, wenn ich unreflektiert nachdenke.

2. Im Aristotelesseminar gab es die Frage, was denn wohl typisch aristotelisches Denken sei. Es gab eine schnelle Kurzübersicht, die in der Zusammenfassung mündete, dass Aristoteles im Grunde genommen möglichst vorausetzungslose analytische Philosophie betreibe. Mir fiel das Bild von Strawson ein, der meinte, wir hätten mit unserer Sprache ein Netz vor uns mit allerlei Knoten und Verbindungen, die der Philosoph untersuche. Das Sein ist dann so ein Knoten mit besonders vielen Verbindungen zu andren Knoten. Aber die Philosophie kann gar nicht klären ob es etwas gibt, sie kann nur versuchen zu klären, was es heißt: Der Stuhl ist. Das Seiende als Seiendes eben.