Hume

wird mir immer sympathischer:

Die Vernunft ist nur Sklave der Affekte und soll es sein; Sie darf niemals eine andere Funktion beanspruchen, als die, denselben zu dienen und zu gehorchen […]. Es läuft der Vernunft nicht zuwider, wenn ich lieber die Zerstörung der ganzen Welt will als einen Ritz an meinem Finger.
Hume: Traktat über die menschliche Natur. II, 3, 3.

Für Hume wäre klar gewesen: Eine Kritik an Kapitalismus, endlosem Wachstum und Umweltzerstörung, die die Unvernunft dieses Tuns anprangert, muss ins Leere laufen, kann zumindest nur ein erster Schritt sein.

Materialistische Auferstehung

Wenn Gott tatsächlich allwissend, allmächtig und ewig ist, ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Mein Tod bedeutet dann das Ende meiner materiellen Existenz. Aber Gott weiß alles über mich, enthält ein vollständiges Abbild meiner Persönlichkeit. Und wenn sein Wille es entscheidet, kann er mich dereinst wieder rekonstruieren. Und zwischendurch war ich nur in Gott.

Das Gute ist Unfug

… wie beim Essen.
Da ist es auch unsinnig nach der einen Universalformel für gutes Essen zu suchen.
Und es gibt Leute, die kochen und essen intuitiv das Richtige. Davon ausgehend, dass es auf der Welt ziemlich unterschiedliche Kochtöpfe gibt, scheint es da auch unterschiedliche Lösungen zu geben.
Und es gibt Leute, die stellen Tabellen auf über Kohlenhydrate, Eiweiße, ungesättigte Fettsäuren, … Die sagen nichts Falsches. Sie können auch erklären, warum die Leute in manchen Gegenden öfters einen Kropf bekommen oder warum manche Menschen keine Milch vertragen. Aber wenn ich nach den Tabellen esse, wird essen zur Wartung einer Maschine.
Das gute Leben ist so vielfältig wie gutes Essen – und genauso einfach bzw. schwer analysierbar. Manche Moralphilosophen erscheinen in diesem Kontext so wie Ernährungsgurus, die eine bestimmte Diät propagieren.

Atheistische Erleuchtung

In der Vorlesung über Gott ging es um die Einfachheit Gottes. Wie in Gott Essenz und Existenz zusammenfallen, wie die unterschiedlichen Gott zugeschriebenen Eigenschaften eigentlich keine unterschiedlichen Eigenschaften seien, sondern nur Facetten des Einen, wie Gott jenseits von Zeit und Raum existiert…

Und der bockige Atheist in mir frohlockte. Dieser hyperabstrakte, transkategoriale Gott verträgt sich prima mit meinem Un-Gott, an den ich glaube: Die Welt existiert und ist kohärent. Mir wurde echt richtig froh ums Herz. Denn die beiden sind wirklich Zwillingsbrüder. Und für einen kurzen Moment konnte ich spüren, dass auch mein Un-Gott allerlei personal interpretierbare Eigenschaften hat. Sehr erfreulich, erlaubt es mir doch diese entdeckte Verwandtschaft, mich auch an den Quellen von Sinn bzw. Spiritualität dieses Gottes zu laben. In dieser Hinsicht ist mein Un-Gott nämlich etwas spröde.
Weiterlesen

Warum gibt es ein Sollen

Wenn ich überblicke, was ich bis jetzt gelernt habe, dann ging es meist um die Frage: Was soll ich tun? Antwort: Das Gute. Und dann scheiden sich die Geister, was das Gute sein soll. Aber warum soll jemand das Gute tun? Der naturalistische Fehlschluss wird zwar kritisiert: Aus dem Sein folgt kein Sollen. Aber woraus denn dann? Und die Verfeinerungen von Moore und Frankena helfen da auch nicht weiter. Gibt es Denker, die darüber nachgedacht haben?
Weiterlesen

Meine aktuellen Probleme mit Gott & Co

meine Fragen haben alle denselben Ursprung. Meine geistige Herkunft ist in der Terminologie von Herrn Aichele der materialistische Reduktionismus. Dort fühl(t?)e ich mich sicher, warm und wohl. Und jetzt diese Ausbildung, die behauptet, mein Heimatdorf sei auf Sand gebaut. Mein Herz, dass sich nach Heimat und Sicherheit sehnt, brubbelt und kollert. Mein Verstand hat viele offene Fragen. Weiterlesen

Kantiger Buddhismus

In der Auseinandersetzung mit Kant seiner Ablehnung der Existenz als Prädikat eines Dings ging es nochmal um Real- und Nominaldefinitionen. Und da hieß es, dass Menschen in ihrer Endlichkeit zu beschränkt sind ordentliche Realdefinitionen zu handhaben. Sie sind auf Begriffe, auf Nominaldefinitionen angewiesen. Das heißt, wenn Menschen denken, wälzen sie Begriffe hin und her, Begriffe, die nie die Welt in ihrer Komplexität erfassen. Und auch wenn ich über einen bestimmten Menschen nachdenke – und zwar nicht über Sokrates – sondern einen, der mir nahe steht, etwa Frieda. Dann rauscht mir Frieda als Begriff durch die Rübe und diese Begriffsfrieda ist viel weniger als die Frieda, die mir gegenübersitzt und mich ansieht. Und wenn mir diese Differenz nicht bewusst ist, dann ist Stress vorprogrammiert. Ruft fernöstliche Weisheit deshalb aufs meditative Sitzkissen, um die Wirklichkeit hinter dem Denken zu suchen? Setzt sie deshalb Leiden und Denken in eine enge Beziehung?

3 x Gott

In der Vorlesung Gott klopfen wir streng rational ab, was es über Gott als nicht empirisch untersuchbares Dingens zu wissen gibt.

Im Seminar über Augustinus hieß es: Über Gott streng rational nachdenken füllt das Thema nicht vollständig aus. Es bleibt ein Rest.

Im Seminar zur Sprechakttheorie wurde der logische Positivismus kurz erwähnt: Der erklärt alles nicht empirisch Erklärbare kurzerhand zu Scheinproblemen.

Und doch passt alles zusammen. Wahrscheinlich muss jede Zeit und jeder Mensch seine eigene Antwort auf die Differenz zwischen der eigenen Beschränktheit und der für den menschlichen Geist zu komplexen Welt finden.