Philosophieren als Wettbewerb?

Im Unterschied zum ideellen Dialog motiviert der reale Dialog vielmehr als Wettkampf mit (einem) anderen zu größerer Klarheit der Begriffe und Argumente, zu der man für sich allein sonst vielleicht nicht fähig oder bereit wäre.

Meine Abneigung gegen Wettbewerb und Gewinnenwollen ist bekanntermaßen chronisch. Deshalb fiel mir sofort unangenehm Martens Vorstellung von Dialektik als Wettbewerb auf. Und wann immer ich Gespräche als fruchtbar erlebt habe, dann war da nichts von Wettbewerb. Egal ob es so ein kleines sokratisches Gespräch war, Ausflüge in die Dialogpraxis nach Martin Buber oder Habermas seine Diskursethik.
Na gut, es geht im Text nicht ganz so garstig weiter, trotzdem nervt mich die Zweckrationalität, die Instrumentalisierung des Gesprächs:

Außerdem fördert ein gemeinsamer Problemlösungsprozess kreative Einfalle, trägt größeres Fachwissen und methodische Kompetenz zusammen und kann verhindern, dass ein Problem lediglich aus einer bestimmten Perspektive behandelt wird.

Das gemeinsame, dialogische Denken macht vor allem die Verbindung und Angewiesenheit des eigenen Denkens auf das Denken anderer im gemeinsamen Medium der sprachlich verfassten Vernunft deutlich. (Ekkehard Martens S. 88)

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Ich weiß jetzt, wo ich stehe

Patzig definiert … Philosophie als „Versuch, rational begründete Antworten“ auf „tief liegende Fragen zu finden“. Bei diesem Versuch unterscheidet Patzig „zwei einander entgegengesetzte Richtungen, die man die spekulative und die analytische Richtung nennen könnte“, zum einen als „Philosophie, die einen Grundgedanken zur Basis einer Weltinterpretation macht“  (z. B. Heraklit, Platon, Plotin, Spinoza, Hegel), zum anderen als Philosophie, die „sorgfältige Untersuchungen der einzelnen Probleme unter Verzicht auf umfassende und darum notwendigerweise pauschale Lösungen“ anstellt. (Ekkehard Martens S.90)

Und ich war mal ein vulgärmarxistischer Unterbaufetischist – hatte einen „Grundgedanken zur Basis einer Weltinterpretation.“ Ich habe Heimweh nach einer solchen sicheren Burg, aber auch Angst dass sie wieder auf Sand gebaut sein könnte. Aber wieso brauche ich eine Burg? Wo ich mich doch so für die Zeit vor Sündenfall und Sesshaftwerdung begeistere. Was wäre eigentlich die dialektische Aufhebung der Zivilisation.