Hegelfrage

Wenn sich das Denken verflüssigt, verflüssigt sich dann auch das Handeln?

Zentrale Anfängerfrage

Da geht es also in der Ethik um die Frage: „Was soll ich tun?“ Aber ist die Frage überhaupt sinnvoll. Soll/kann/will ich überhaupt irgendwas sollen? Gibt es soetwas wie „Sollen“ überhaupt?

Aktuelle Fragen

  1. Logik: Welchen Charakter haben diese Grundannahmen? Diese Sätze von der Identität, dem ausgeschlossenen Widerspruch und vom ausgeschlossenen Dritten? Ziemlich schlau gewählte Axiome? Oder eher Erfahrungstasachen wie der Energieerhaltungssatz?
  2. Freiheit: Ist denn die Frage nach der Freiheit überhaupt sinnvoll? Da wird ja, wie es scheint hart darum gerungen, ob es Freiheit gibt oder nicht. Mir fallen so alte Diskussionen um den Charakter des Lichts ein, ob es wohl Wellen- oder Teilchencharakter habe – und beide Lager hatten Unrecht. Was, wenn es völlig falsch ist, die Beschreibung menschlichen Handelns an der Frage Freiheit festzumachen.
  3. Kant: Ich kann immer noch nichts mit dem a priori anfangen. Hat das überhaupt noch Bestand? Muss sich nicht alles erst entwickeln, was uns so durchs Hirn flutet, auch Vorstellungen von Raum und Zeit – wie aus der Entwicklungspsychologie von Kleinkindern bekannt. Oder was ist mit der Rechenschwäche, bei der die Abstraktion „Kardinalzahl“ nicht funktioniert. Ist der Übergang zwischen a priori und a posteriori vielleicht fließend. Was bedeutet das für Kants Gedankengebäude?

Kant als religiöser Dogmatiker

Da gibt es diesen bekannten Spruch aus der Kritik der praktischen Vernunft:

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt, oder im Überschwenglichen, außer meinem Gesichtskreise, suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewußtsein meiner Existenz.

Äußert sich hierin vielleicht die Unvollkommenheit des Aufklärers Kant, der es nur schafft den religösen Dogmatismus im hegelschen Sinne bestimmt zu negieren, indem er statt auf einen überirdischen Gott auf ein innersubjektives Gesetz in sich hört.

Dilemmata als Moralkritik?

Als Naturwissenschaftler, als Mathematiker erst recht, würde ich ja sagen: Wenn so ein Satz von Werten und Normen in seiner Anwendung an vielen Stellen zu Widersprüchen führt, dann sind entweder diese Werte und Normen als Axiome nicht widerspruchsfrei gewählt oder die ganze Verfahrensweise ist irgendwie faul.

Und ist nicht wirklich das Rumhacken auf Werten und Normen an sich, finsterste Kohlbergstufe 4, weit entfernt vom Olymp der Stufe 6 oder gar der Habermaschen Hyperstufe 7.

Oder versöhnlicher. Ist die hohe Bedeutung, die wir im allgemeinen Werten und Normen zusprechen, vielleicht ein Hinweis darauf, dass wir alle noch ziemlich auf Stufe 4 rumdümpeln. Erscheint es uns deshalb so unheimlich, etwa das Tötungsverbot nicht einfach nur als ungemein nützliche und praktikable Regel im Umgang miteinander zu nehmen.

Kohlberg und Rosenberg

Marshall Rosenberg, der mit der Gewaltfreien Kommunikation, berichtet von seinem Psychologiestudium folgendes: Wenn er vor dem Studium mit einem anderen Autofahrer unzufrieden war, dann beschimpfte er ihn: „Du Idiot!“ Nach dem Studium konnte er schimpfen: „Sie Psychopath!“ Richtig weitergeholfen hat ihm das nicht.

Ob Kohlbergs oder andere Stufenmodelle der Moralentwicklung ähnlich analytisches Wissen darstellen, das nicht wirklich weiterhilft.