Stufe 1 = Stufe 7

Vielleicht ist es ja so: Die nachkonventionelle Sufe ist die dialektische Aufhebung der konvententionellen Stufe bzw.  Negation der Negation der vorkonventionellen Stufe. Damit ergäbe sich eine eher spiralförmige Entwicklung, die die Chance in sich trägt, die konventionelle Stufe auszulassen.

Ich kann es nicht durch „Kantsches Selbstdenken“ beweisen. Aber für mich gibt es mehrere schlüssige Indizien, dass der Mensch von seinen Anlagen her auf gelingende Kooperation ausgelegt ist:

  1. Die Ergebnisse die Joachim Bauer zusammengetragen hat
  2. Die Folgen der Neolithischen Revolution als Sündenfall der Menschheitsgeschichte

Weil der naturalistische Fehlschluss wohl verpönt ist, folgt aus dieser Situation natürlich kein Sollen. Aber über Stufe 7 heißt es:

Die Bedürfnisse aller Betroffenen eines möglichen Normenkonflikts werden nicht länger nach den in einer Kultur überkommenen Maßstäben übernommen und interpretiert, sondern sie werden im praktischen Diskurs allererst ermittelt und sodann als Ansprüche zueinander in Beziehung gesetzt.

Diese Stufe pfeift hochreflektiert auf alle Normen, Werte, Gesetze im Sinne von selbständigen Setzungen, genauso wie es die vorkonventionelle Stufe unreflektiert-archaisch macht.

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2 Wege zu Stufe 7

Auf Stufe 6 der Moralentwicklung sitzt Immanuel Spock isoliert in seiner Kammer, lauscht seinem Verstand und nur seinem Verstand und findet heraus was richtig ist, … und macht es dann nicht.

Auf Stufe 7 von Habermas verschmilzt das Subjekt im Konsens symbiotisch mit den anderen. Aber immer noch kopflastig, rein argumentativ.

Meiner Meinung nach gibt es schon zwei Wege, die in diese unerreichbar scheinende Stufe führen.

Der erste ist uralt. Hier gehören die Mystiker aller Religionen hin. Egal ob nun Sufismus, Yoga, Meditation oder Kontemplation. Mit Techniken, die in starren Feudalsystemen entstanden, befreien sich die Gurus, Heiligen und Mönche aus den Klauen der rigiden Stufe-4-Ketten und sind in der Lage eine Menschlichkeit auf höherem Niveau zu leben. Und weil diese Mystiker immer auf eine unmittelbare Gotteserfahrung poch(t)en, sind/waren sie auch immer der Stufe-4-Kirche ein Dorn im Auge.

Der zweite ist ungefähr so alt wie Habermas‘ Diskursethik. Es sind die neueren auf Empathie beruhenden Kommunikationstechniken:

Alles konkrete Handlungsanweisungen, durch die Hintertür zu idealen Sprechsituation zu gelangen.