Propheteninvasion

Ich habe mich ja schonmal über das Thema aufgeregt. Und jetzt in der praktischen Philosophie geht das weiter. Einer nach dem andern begeistert sich für Euklidische Geometrie oder später die modernen Naturwissenschaften und kommt dann mit der ultimativen Ethikformel. Aristoteles lässt einfach so, geradezu axiomatisch, alle nach dem Guten streben. Die Stoiker bleiben cool und ertragen alles mit Gelassenheit. Hobbes droht mit dem Leviathan. Kant befreit sich mit seiner Aufklärung von selbstverschuldeter Unmündigkeit, um sich mit allerlei Pflichtgedöns seinem kategorischen Imperativ zu unterwerfen. Nächste Woche kommt dann noch Hegel…Wenigstens bläst mein Aristoteleslehrer Ulrich Seeberg in ein ähnliches Horn: 

Die abendländische Philosophie weist nun darüber hinaus die Eigentümlichkeit auf, nach grundlegenden Begriffen oder Aussageweisen zu suchen – den Kategorien -, die über den bloßen Wechsel oder die potentiell unendliche Vielfalt von Situationen hinausgehen: ethische Grundsachverhalte und -begriffe wie auch erkenntnistheoretische.

Keiner hat den Arsch in der Hose zu sagen: Sorry es kann ja sein, dass es gut tut Gutes zu tun, aber mir fällt echt kein toller universeller Grund ein, warum man es tun sollte. Die einzige Ausnahme, die mir bisher begegnet ist, ist Günther Anders.

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Thomas Hobbes

legte die Grundlagen der allgemeinen deutschen Stammtischphilosophie. Ausgehend von so “staatsklugen” Tieren wie Bienen oder Ameisen formuliert er 5 Axiome:

  • Erstens, die Menschen liegen der Ehre und Würde wegen miteinander in einem beständigen Wettstreit; jene Tiere aber nicht. Unter den Menschen entsteht hieraus sowie aus weiteren Ursachen häufig Neid, Haß und Krieg; unter jenen aber höchst selten.
  • Zweitens, unter den genannten Tieren ist das allgemeine Gut auch das Gut eines jeden einzelnen; so wie nun jedes von ihnen nach diesem strebt, so fördert es ebendadurch auch jenes. Der Mensch aber kennt bei allem, was er besitzt, keine höhere Freude, als daß andere nicht so viel haben.
  • Drittens, weil diesen Tieren die Vernunft fehlt, finden sie an der allgemeinen Verwaltung nichts zu tadeln; unter den Menschen dünken sich aber viele klüger und zur Regierung fähiger zu sein als andere, und weil daher ein jeder nach seiner Einsicht bessern will, so entsteht Uneinigkeit unter ihnen und dadurch Krieg.
  • Viertens, wenn diese Tiere auch eine Art von Stimme haben, welche ihre Begierden andeutet, so fehlt ihnen doch die große Kunst, durch deren Hilfe die Menschen es so weit bringen, daß das Gute für Böses, das Böse für Gutes, das Große für Kleinigkeit und die Kleinigkeit für ein Großes gehalten wird und einer des andern Handlung so hinstellt, daß Unruhen unvermeidlich werden.
  • Fünftens, die Tiere kennen keinen Unterschied zwischen Schaden und Unrecht; solange ihnen nichts fehlt, beneiden sie die andern nicht. Wenn aber der Mensch Muße und Vermögen im Überfluß hat, ist er am unleidlichsten; weil er unter solchen Umständen am meisten geneigt ist, seine Weisheit dadurch zu zeigen, daß er die Handlungen derer, welche am Staatsruder sitzen, bitter tadelt.

Seine Lösung, die straffe Hand:

Um aber eine allgemeine Macht zu gründen, unter deren Schutz gegen auswärtige und innere Feinde die Menschen bei dem ruhigen Genuß der Früchte ihres Fleißes und der Erde ihren Unterhalt finden können, ist der einzig mögliche Weg folgender: jeder muß alle seine Macht oder Kraft einem oder mehreren Menschen übertragen, wodurch der Willen aller gleichsam auf einen Punkt vereinigt wird, so daß dieser eine Mensch oder diese eine Gesellschaft eines jeden einzelnen Stellvertreter werde und ein jeder die Handlungen jener so betrachte, als habe er sie selbst getan, weil sie sich dem Willen und Urteil jener freiwillig unterworfen haben.