Andine & europäische Zeitbegriffe

Und dann noch: „Zeitkonzepte in andinen Denktraditionen
und abendländischer Philosophie

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Kant & Focault

Das Ringen Kants um die Kategorientafel scheint mir mit meinem verblassenden mathematischen Hintergrundwissen wie das Suchen nach einem Axiomensystem. Kant geht dabei noch davon aus, dass Axiome nicht bewiesen werden müssen, weil sie evident sind. Ich habe diese Suche durch die Brille der Zeit nach der Grundlagenkrise der Mathematik gesehen, mit so Erinnerung an Euklidische und Nicht-Euklidische Geometrie. Deshalb wohl meine Abneigung gegen ein personenunabhängiges, nicht kulturell bedingtes a priori, das allen Einzelvernunften gemeinsam ist.

Dachte ich mir zumindest, dass ich so ticke. Aber dann habe ich nochmal nachgeklickert und festgestellt, dass Focault das a priori als etwa historisch bedingtes sieht. Und „Überwachen und Strafen“ habe ich natürlich gelesen. Und auch Eske Bockelmann mit seinem „Im Takt des Geldes.“ Schon lustig, das hatte ich ganz vergessen, was ich so alles gelesen habe, so dass sich mein Denken dahin entwickelt hat, dass ich denke, dass das Denken (das die Welt mitkonstruiert¹) biografisch und historisch-kulturell determiniert ist.

¹ Wie unter Begriff und Ding zu lesen, wurde ich als Nominalist geoutet – bin nun bestrebt mich zu bessern :-)

Vektoren der Entwicklung

  1. Beim Teleologen Aristoteles streben alle nach dem Telos. Und diese Telos ist das Gute. Die, die es nicht machen, den mangelt es an den soft-skills den vorgezeichneten Weg zu gehen. Also so eine Anziehungskraft zwischen uns und dem Telos.
  2. Die Aufklärer feiern Vernunft und freien Willen, brauchen für die Richtung deren Strebens wabbelige Konstrukte (Gott & Co.), von denen sie selber wissen, dass sie weder bewiesen noch widerlegt werden können. Also kraft unseres Willens bringen wir uns an jedem Punkt unserer Bahn auf Kurs.
  3. Den dialektischen Dreisprung machen die menschenfreundlichen Neurobiologen, etwa Gerald Hüther oder Joachim Bauer. Sie meinen nachweisen zu können, dass der Mensch auf gelingende Kooperation präkonditioniert ist. Wer solche Verhältnisse in seiner Kindheit und Jugend nicht erlebt, hat allerdings die Arschkarte gezogen, dem fehlen dann nämlich ein paar Synapsen für die notwendige Empathiefähigkeit. So als ob uns die Evolution in eine bestimmte (und zwar nette) Richtung schießt.

Kant und Asperger

Kant soll ein Mensch mit Asperger-Syndrom gewesen sein. Ein Mensch, der sozial und emotional in einer anderen Welt lebt, als der neurotypische „Normalo.“ Kein Problem bei Einstein und seiner Relativitätstheorie, bei Kafka oder Kandinsky. Aber was bedeutet es, wenn wir die Ethik von Asperger-Kant hochhalten. Ist es ein Glücksfall, wenn sich ein nicht betriebsblinder Nerd mal der Sache des menschlichen Handelns angenommen hat? Oder ist Kants Ethik einfach unbrauchbar, weil er möglicherweise ähnlich tickte wie Temple Grandin: „Meine Emotionen sind einfacher als die der meisten anderen Menschen. Ich weiß nicht, was eine vielschichtige Emotion in einer zwischenmenschlichen Beziehung ist. Ich verstehe nur einfache Emotionen wie Wut, Furcht, Glück und Traurigkeit.“

Buddhistische Version des KI?

„Handle immer so, als würde die Erlösung des Universums von deiner Handlung abhängen. Und lache dabei immer über dich selbst, dass du glaubst, du könntest überhaupt etwas mit deinem Tun erreichen.“

Hört sich irgendwie versöhnlicher an, obwohl es auf sowas ähnliches wie Kants moralinsaures Pflichtgedöns hinausläuft. Ich stolperte über den Spruch, suchte dann im Internet und stieß auf die Verbindung zum Flow.