Philosophieren als Kulturtechnik?

Ein klares ja, aber.

„Die abendländische Philosophie weist nun darüber hinaus die Eigentümlichkeit auf, nach grundlegenden Begriffen oder Aussageweisen zu suchen – den Kategorien -, die über den bloßen Wechsel oder die potentiell unendliche Vielfalt von Situationen hinausgehen: ethische Grundsachverhalte und -begriffe wie auch erkenntnistheoretische.“ (U. Seeberg)

Oder eine zentrale These aus der Vorlesung über moralisches Urteilen: Handlungen sind gut oder böse (tertium non datur)

An diesen beiden Sätzen kondensieren meine Zweifel. Wie ist das mit der abendländischen Philosophie und ihrem Dualismus, ihrem wahr oder falsch, ihrer Ausrichtung an der klassischen Mechanik von Newton und Gallileo. Wie ist das mit der Quantenphysik, dem deterministischen Chaos, dem Tetralemma.

In einem kleinen Büchlein zur Gewaltfreien Kommunikation heißt es:

Die Haltung des „Sowohl-als-auch“ zu entwickeln, fällt den meisten schwer, da nicht nur zu Hause und im Betrieb, sondern auch in vielen Medien der Fokus auf Gegensätzen, statt auf Gemeinsamkeiten liegt: Täter/Opfer, gut/böse, oben/ unten. Wir lernen, dass Macht ungleich verteilt ist und dass sie dazu verleitet, sie gegenüber anderen auszunutzen.

Wo führt uns die phänomenologisch-hermeneutisch-dialektisch-analytisch-spekulative Methodenschlange hin? Bringt sie uns dem Guten näher? Oder schafft sie es nur, wie in den Dialogen des Sokrates, die Risse in den Weltbildern der Anderen aufzuzeigen. Was nützt es uns, uns zu feiern, dass wir Nazis oder Homophoben nachweisen, dass ihre Weltbilder „falsch“ sind.

Eine Ausweg weist Hannes Bode in einem Vortrag über das Verhältnis von Theorie und Praxis: Die Theorie ohne Empathie ist nichts und umgekehrt.

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