Pascal und Strawson

Über Pascal gestolpert:

„Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.“ – Pensées IV, 277

Und dann resümiert noch Wikipedia über ihn:

Während einer Epoche, die bereits klar auf der Trennung von Glauben und Wissen bestand, vertrat Pascal in seinem Leben und Werk das Prinzip der Einheit allen Seins. Für ihn bedeutete die Beschäftigung sowohl mit naturwissenschaftlichen Problemen als auch mit philosophischen und theologischen Fragen keinerlei Widerspruch; alles das diente ihm zur unmittelbaren Vertiefung seiner Kenntnisse. Seine Wahrnehmung der „intelligence/raison du coeur“ – nur das Zusammenspiel von Verstand und Herz könne Grundlage menschlichen Erkennens sein – als wesentlichste Form der umfassenden Erkenntnis wird von seinen Anhängern als visionär und über die Zeiten hinweg beispielgebend erfasst.

Hört sich total schlüssig an. Frühe Integrale Theorie? Auf jeden Fall momentan genau meine Wellenlänge.

Und auch Strawson plädiert in einem Text über Intuitionismus für eine Einheit von Rationalität und Emotionalität, eine Synthese, die erst durch die eitle Abspaltung der Rationalität notwendig wird:

Diese deskriptive Vagheit ist aber kein Mangel: durch diese Vagheit werden diese normalen Sprachen vielmehr erst für jene Kommunikationsarten (und für jene Überredungsarten) brauchbar, für die man sie eben besonders benötigt. Wenn man jene Vagheit aber irrtümlicherweise für wichtiger hält als sie wirklich ist, kommt es zu einer Art Metaphysik — der Metaphysik der Substanz (des Dings an sich) bzw. zu der Metaphysik unmittelbar wahrgenommener, nicht-analysierbarer ethischer Merkmale. Wird diese Vagheit dagegen ganz und gar übersehen so kommt es zu einer anderen Art Metaphysik – der zähen Metaphysik der Übersetzung, d. h. zu der groben Annahme, daß wir ebensogut auch ohne ethische Sprache auskommen könnten.

Um unsere moralischen Erfahrungen gegenseitig austauschen zu können, müssen wir die Werkzeuge, d.h. die ethische Sprache verwenden, die wir eben haben. Kein von einem Philosophen vorgelegter Satz wird deren Stelle einnehmen können. Die Aufgabe des Philosophen besteht nicht darin, eine neue Menge von Werkzeugen zu liefern, sondern zu beschreiben, was das ist, was wir gegenseitig austauschen, und wie die Werkzeuge verwendet werden, um ihren Zweck zu erfüllen.

Mit dem letzten kann ich auch gut als Ethiklehrer leben. Und ich sehe auch ein gewisses System in meiner Ausbildung, die mich die westliche Ethikdenkgeschichte nachvollziehen lässt. Am Ende steht für mich das negative Ergebnis, dass die Versuche derer, die die Ethik mit genau denselben Methoden untersuchen wie die unbelebte Natur, zum Scheitern verurteilt sind. Ich weiß nur nicht, was das für meinen Unterricht bedeutet. Als ich Mathematik und Physik studiert habe, spielten die Fehlversuche und Irrwege nur eine Nebenrolle.

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