Meine Ungeduld

Mir ist so ein Günter-Gaus-Interview mit Hannah Arendt untergekommen. Darin heißt es:

Ich gehöre nicht in den Kreis der Philosophen. Mein Beruf – wenn man davon überhaupt noch sprechen kann – ist politische Theorie. Ich fühle mich keineswegs als Philosophin. … Wenn ich über diese Dinge spreche, akademisch oder nicht akademisch, so erwähne ich immer, daß zwischen Philosophie und Politik eine Spannung lebt. Nämlich zwischen dem Menschen, insofern er ein philosophierendes, und dem Menschen, insofern er ein handelndes Wesen ist, eine Spannung, die es in der Naturphilosophie nicht gibt. Der Philosoph steht der Natur gegenüber wie alle anderen Menschen auch. Wenn er darüber denkt, spricht er im Namen der ganzen Menschheit. Aber er steht nicht neutral der Politik gegenüber. Seit Plato nicht!

Und ich denke, das ist genau der Punkt. Seit ich zwischen den unterernährten Wasserbäuchen in Afrika gelebt habe, bin ich gegenüber der Politik im realexistierenden Kapitalismus nicht neutral. Ich wache jedes mal auf, wenn ich höre, dass ich auch Eigentum oder Wahlen hinterfragen darf und rolle innerlich mit den Augen, wenn ich jedes Problem mit dem Kategorischen Imperativ lösen soll.

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