Gedachte Ideen

Welchen Status haben Ideen, die ihre Relevanz erstmal nur durch das Gedachtwerden haben?
Da steht also eine Quietscheente auf dem Tisch und sie sollte erkannt werden: so ein gelber Fleck im Raum, über den wir uns austauschen konnten und wir hatten wohl auch alle ähnliche empirische Erfahrungen mit diesem Etwas da auf dem Tisch. Die Diskussion über Ente und Idee von der Ente – geschenkt. Die gibt es beide. Und manche machen ein Problem draus, wer zuerst da war, wer von wem abhängt.

Um was es mir geht, sind so Entitäten wie Seele, Gewissen, Liebe,… Da scheint es doch darum zu gehen, das Verhalten der Blackbox Mensch mit Hilfe einer inneren Struktur zu erklären. Und da hat Aristoteles also die Seele „erfunden“ – aber vorsichtig, wie immer, nur als funktionales Konstrukt. Ein paar hundert Jahre später wird „Seele“ (von Nichtphilosophen) wie ein Ding gehandhabt. Ähnliches habe ich von „Gewissen“ gehört, das Luther in den deutschen Sprachgebrauch eingeführt hat. Oder ES und ÜBER-ICH bei Freud. In manchen Yogatraditionen fließt Kundalinienergie durch Chakren.

Wie ist das also mit all den Ideen, die benutzt werden, um das menschliche Verhalten zu erklären. Gibt es Seele, Gewissen, Liebe so wie Quietschente und Wombat oder nur wie Quadrat und Dreieck? Ähnelt die Idee von der Liebe eher der Idee vom Wombat oder der Idee vom Quadrat? Wie stehen Descartes, Locke & Leibniz dazu?

Advertisements

Begriff und Ding

Die Beerdigung von Herrn M. Es kann auch ein feierliches Dinner von Herrn und Frau M. zum 28. Hochzeitstag sein. Auf jeden Fall ein Ereignis, dass garantiert einmalig ist. Da fällt mir auf: Gibt es Ereignisse, die nicht garantiert einmalig sind? Eher nicht. Es ist der endliche, grobe menschliche Verstand, der nur einen Bruchteil der Eigenschaften eines Dinges oder Gegenstandes erfasst. Dieses endliche Abbild des unendlich komplexen Einzeldinges ist der Begriff vom Ding. Der elende Abglanz des ganzen Dinges. Es scheinen sich also unendlich komplexe Welt und endliches begriffliches Abbild der Welt gegenüberzustehen. Ich kenne zwei Wege mit dem Dilemma fertig zu werden:

  1. Die fernöstlichen Freunde der Meditation verteufeln das Denken, lassen in der Meditation den Verstand zur Ruhe kommen. Manche erlangen auf diesem Weg etwas, was sie Erleuchtung nennen, das sie aber nicht teilen können, von dem sie aber überzeugt sind, dass es eine geeignete Methode sei, das Ganze zu schauen.
  2. Die Freunde des westlichen Denkens können trainieren, sich stets und ständig ihres endlichen, vorläufigen Charakters ihres begrifflichen Abbildes der Welt bewusst zu sein. Ein Weg zu mehr Achtsamkeit, genau wie bei den Freunden der Meditation.

Und ich sehe auch ganz deutlich, dass bei meinen wilden Schülern keine Einsicht in dieses Problem besteht. Sie sind von der Identität der Welt und dessen, „was ihnen durch die Rübe rauscht“, überzeugt.

Aristoteles und die Erste Wissenschaft

Ich habe Zweifel an der Bestimmung des Gegenstandes der Ersten Wissenschaft.
Der Zweifel geht so:
Es wurde über Gattung und Art geredet. Und wie sukzessive immer mehr Eigenschaften weggelassen werden. Extension erweitern, Intension verkleinern. Und dann wird suggeriert, käme man auf genau eine abstrakte Ebene, bei der es nur noch um das Sein ginge. Mir kommt das ganze wie ein hierarchisches System vor, in dem es eine eindeutig definierte Spitze gibt.
Aber ist das so? Wenn ich die Taxonomie der Biologie betrachte und genauso schließe wie bei der Begründung des Gegenstandes der Ersten Wissenschaft, dann komme ich zur Untersuchung der Ersten Art, des ursprünglichen Lebewesens. Nach heutigem Stand des Wissens hat es ein solches Lebewesen aber nicht gegeben und der Anfang des Lebens fand in so einer Ursuppe aus organischen Verbindungen statt.
Und genau das ist mein Zweifel: Woher kommt der Optimismus, durch Abstraktion von allen Eigenschaften auf genau eine Erste Wissenschaft zu kommen? Der Zweifel des Mathematikers, der weiß wie schwer es ist, vom Verhalten einer Zahlenfolge im Endlichen auf ihren Grenzwert im Unendlichen zu schließen.

Warum gibt es ein Sollen

Wenn ich überblicke, was ich bis jetzt gelernt habe, dann ging es meist um die Frage: Was soll ich tun? Antwort: Das Gute. Und dann scheiden sich die Geister, was das Gute sein soll. Aber warum soll jemand das Gute tun? Der naturalistische Fehlschluss wird zwar kritisiert: Aus dem Sein folgt kein Sollen. Aber woraus denn dann? Und die Verfeinerungen von Moore und Frankena helfen da auch nicht weiter. Gibt es Denker, die darüber nachgedacht haben?
Weiterlesen

Meine aktuellen Probleme mit Gott & Co

meine Fragen haben alle denselben Ursprung. Meine geistige Herkunft ist in der Terminologie von Herrn Aichele der materialistische Reduktionismus. Dort fühl(t?)e ich mich sicher, warm und wohl. Und jetzt diese Ausbildung, die behauptet, mein Heimatdorf sei auf Sand gebaut. Mein Herz, dass sich nach Heimat und Sicherheit sehnt, brubbelt und kollert. Mein Verstand hat viele offene Fragen. Weiterlesen

Universale Gerechtigkeit in Zeiten globaler Ungerechtigkeit

Wenn ich über das Gerechtigkeitsmaterial nachdenke, das wir bekommen haben, ist das alles schön und gut. Aber wie ist das mit den EU-Außengrenzen, den 1.500 Toten im Mittelmeer im Jahr 2011. Wie viel taugt der heilige Minimalkonsens, wenn er nur für Menschen gilt, die schon drin sind. Finden wir die alten Griechen deshalb so toll, weil die auch auf dem Frauen-Sklaven-Kinder-Auge blind waren. Bei Rawls war das auch schon so, der hat in seiner Gerechtigkeit als Fairness ebenfalls nur national gedacht. Für mich ist das EU-Grenzregime jetzt in der Freiheit genauso eine ethische Kapitulation wie die Mauer damals in der Diktatur.

Oder ist es statthaft zu sagen: Ja das ist ein ungelöstes Problem. Aber jetzt wieder zu den jungen Männern, die im Inland Ausländer aufklatschen.

Gibt es außerhalb linker Fundamentalkritik am Kapitalismus (die mir in dieser Sache sehr schlüssig erscheint) ernstzunehmende Denker, die etwas Brauchbares zum Thema universaler oder globaler Gerechtigkeit zu sagen haben?

Philosophieren als Kulturtechnik?

Ein klares ja, aber.

„Die abendländische Philosophie weist nun darüber hinaus die Eigentümlichkeit auf, nach grundlegenden Begriffen oder Aussageweisen zu suchen – den Kategorien -, die über den bloßen Wechsel oder die potentiell unendliche Vielfalt von Situationen hinausgehen: ethische Grundsachverhalte und -begriffe wie auch erkenntnistheoretische.“ (U. Seeberg)

Oder eine zentrale These aus der Vorlesung über moralisches Urteilen: Handlungen sind gut oder böse (tertium non datur)

An diesen beiden Sätzen kondensieren meine Zweifel. Wie ist das mit der abendländischen Philosophie und ihrem Dualismus, ihrem wahr oder falsch, ihrer Ausrichtung an der klassischen Mechanik von Newton und Gallileo. Wie ist das mit der Quantenphysik, dem deterministischen Chaos, dem Tetralemma.

In einem kleinen Büchlein zur Gewaltfreien Kommunikation heißt es:

Die Haltung des „Sowohl-als-auch“ zu entwickeln, fällt den meisten schwer, da nicht nur zu Hause und im Betrieb, sondern auch in vielen Medien der Fokus auf Gegensätzen, statt auf Gemeinsamkeiten liegt: Täter/Opfer, gut/böse, oben/ unten. Wir lernen, dass Macht ungleich verteilt ist und dass sie dazu verleitet, sie gegenüber anderen auszunutzen.

Wo führt uns die phänomenologisch-hermeneutisch-dialektisch-analytisch-spekulative Methodenschlange hin? Bringt sie uns dem Guten näher? Oder schafft sie es nur, wie in den Dialogen des Sokrates, die Risse in den Weltbildern der Anderen aufzuzeigen. Was nützt es uns, uns zu feiern, dass wir Nazis oder Homophoben nachweisen, dass ihre Weltbilder „falsch“ sind.

Eine Ausweg weist Hannes Bode in einem Vortrag über das Verhältnis von Theorie und Praxis: Die Theorie ohne Empathie ist nichts und umgekehrt.